EU-News
22.05.2013
Chemie & Nanotechnologie, Konsumentenschutz
Publikation: Hormone im Essen
Ohne die richtige Würze schmeckt oft das beste Essen nicht. Und gegen ein bisschen Salz und Pfeffer ist ja auch nichts einzuwenden. Auf mit „hormonell wirksamen Pestiziden“ gewürzte Lebensmittel würden die meisten aber gerne verzichten. Das wird jedoch immer schwieriger, denn diese Pestizide sind heute weit verbreitet.
Die Umweltschutzorganisation Global 2000 hat eine Broschüre veröffentlicht, die KonsumentInnen dabei helfen soll, diese hormonell wirksamen Pestizide so weit wie möglich aus ihrem Leben – und ihren Lebensmitteln – zu verbannen.
Zu den möglichen Krankheitsbildern durch Vergiftung mit hormonell wirksamen Pestiziden zählen laut Global 2000 zum Beispiel Tumore in hormonabhängigen Geweben wie Brustkrebs, Prostatakrebs oder Hodenkrebs; die Störung des Stoffwechsels wie Fettsucht oder Diabetes; reproduktive Dysfunktionen wie Unfruchtbarkeit oder verfrühte Menstruation; Herz-Kreislauf-Probleme; und neurologische Störungen, die Gedächtnis, Beweglichkeit und Aufmerksamkeit betreffen können.
Die Broschüre „Hormone im Essen“ steht auf der Webseite von Global 2000 gratis als Download zur Verfügung.
15.05.2013
Chemie & Nanotechnologie, Klima
Klimaretter: Kohlekraftwerke vergiften Polarfüchse
Polarfüchse in der Arktis werden in ihrer Existenz nicht nur vom Klimawandel bedroht, „sondern im schmelzenden Eis der Arktis wird nun auch eine Altlast aus Kohlekraftwerken frei: das hoch giftige Schwermetall Quecksilber. Hohe Sterblichkeits- und geringe Reproduktionsraten sind die Folge“, schreibt Reinhard Wolff in seinem Artikel für die Internet-Plattform „Klimaretter“. Quecksilber schädigt die Embryonalentwicklung sowie das Nerven- und Kreislaufsystem.
WissenschafterInnen deutscher, russischer und isländischer Forschungsinstitute würden von einem dramatischen Rückgang im Bestand der Polarfüchse berichten, informiert Wolff. „In ihrer gemeinsamen Publikation im Wissenschaftsjournal Plos One nennen sie die Nahrung der Tiere – Vögel, Nagetiere, Kadaver – als Ursache.“ („Correlates between Feeding Ecology and Mercury Levels in Historical and Modern Arctic Foxes“; Bocharova N, Treu G, Czirják GÁ, Krone O, Stefanski V, et al.)
Die Quecksilberbelastung der Polarfüchse sei „entscheidend davon abhängig, ob sie eher in küstennahen Regionen oder im Landesinneren leben. Untersuchungen zeigten die höchsten Quecksilberkonzentrationen bei den in Küstennähe oder auf Inseln heimischen Füchsen. Die Ursache: Ihre dortigen Beutetiere ernähren sich vorwiegend aus dem Meer. Und im Meer der Arktis nimmt die Quecksilberbelastung stetig zu.“
Schon vor zwei Jahren hätte die AMAP, eine Arbeitsgruppe des Arktischen Rates, über dieses Problem berichtet, informiert Reinhard Wolff. Im Körpergewebe eines Fünftels der untersuchten Robben, Eisbären, Wale und anderen in der Arktis heimischen Arten seien damals stark erhöhte Konzentrationen des Giftes gemessen worden.
„Dessen Quelle sind zwar auch aktuelle Quecksilberemissionen – jährlich werden noch immer rund 2.000 Tonnen in die Atmosphäre freigesetzt. Vor allem aber sind es Altlasten. Aus den Schornsteinen der Kohlekraftwerke der Nordhalbkugel gelangten seit Beginn der Industrialisierung quecksilberhaltige Emissionen über Niederschläge in die Nordpolarregion, wo sie sich teilweise im Eis und in den Böden ablagerten, um nun wegen der nun steigenden Temperaturen wieder frei zu werden. Die Folge: In den Körpern der Tiere, die dort die Spitze der Nahrungskette bilden, stieg die Quecksilberbelastung um das Zehnfache.“
15.05.2013
Chemie & Nanotechnologie
Endokrine Disruptoren: NGOs drängen EU-Kommission zum Handeln
In einem offenen Brief an EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, Industriekommissar Antonio Tajani, Umweltkommissar Janez Potočnik sowie Gesundheits- und Verbraucherschutzkommissar Tonio Borg haben 20 europäische Umwelt- und Gesundheitsorganisationen, darunter auch das European Environmental Bureau (EEB) die EU-Kommission aufgefordert, die Nutzung endokriner Disruptoren (EDC) einzuschränken.
Die NGOs appellierten an die Kommissare, die überwältigenden Beweise für die Gefährlichkeit von endokrin wirksamen Substanzen anzuerkennen und Maßnahmen zu ergreifen, die den aktuellen Wissensstand widerspiegeln und in der EU-Chemikalienpolitik verankern. Gesundheits- und Umweltschutz dürfe nicht länger durch die unverhältnismäßige Bevorzugung von Unternehmen durch die Politik untergraben werden, so die NGOs. In dem Brief fordern die Nichtregierungsorganisationen die Einführung umfassender und praktikabler Kriterien zur Identifizierung von EDC, eine robuste EU-Strategie über den Umgang mit EDC sowie die Nutzung neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse für die Überprüfung endokriner Disruptoren im REACH-Zulassungsverfahren.
Auch im Rahmen der EU-2020-Strategie für intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum sei es notwendig Maßnahmen gegen endokrin wirksame Substanzen zu ergreifen, heißt es in dem Brief. So könne ein wesentlicher Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit, zu einer effizienteren Ressourcennutzung und zu einer sicheren und grünen Chemikalienpolitik geleistet werden.
Die EU-Kommission erarbeitet derzeit Kriterien zur besseren Identifizierung von EDC. Ende Juni will sie ein Packet mit verschiedenen Gesetzesinitiativen zu endokrinen Disruptoren vorstellen. [DNR, i.h.]
02.05.2013
Chemie & Nanotechnologie, Landwirtschaft
Bienen und Pestizide: EU-Kommission schränkt Anwendung von Neonicotinoiden ein
Die EU-Mitgliedstaaten erzielten am Montag, 29. April 2013, im Berufungsausschuss, der einen Vorschlag der Kommission zur Einschränkung der Anwendung von drei Neonicotinoid-Insektiziden erörterte, keine qualifizierte Mehrheit für oder gegen den Vorschlag. Die vorgeschlagene Einschränkung wurde von 15 Mitgliedstaaten befürwortet, acht Mitgliedstaaten (Großbritannien, Italien, Österreich, Portugal, Rumänien, Slowakei, Tschechien, Ungarn) stimmten dagegen und vier Mitgliedstaaten enthielten sich ihrer Stimme. Da die Mitgliedstaaten sich nicht einigen konnten, obliegt es jetzt der Kommission, einen Beschluss über die Annahme der vorgeschlagenen Einschränkung zu fassen.
Mit dem Vorschlag der Kommission, der sich auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA begründet, wird die Anwendung von drei Neonicotinoiden (Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam) zur Saatgutbehandlung, zur Bodenanwendung (in Form von Granulat) und zur Blattbehandlung bei Pflanzen- und Getreidearten, die für Bienen attraktiv sind, eingeschränkt. Die Einschränkungen gelten ab dem 1. Dezember 2013.
„Da unser Vorschlag auf den Erkenntnissen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit basiert, die eine Reihe von Risiken für die Bienengesundheit festgestellt hat, wird die Kommission ihre Arbeiten im Zusammenhang mit dem Vorschlag in den nächsten Wochen fortsetzen“, sagte der EU-Kommissar für Gesundheit und Verbraucherpolitik, Tonio Borg, der den Beitrag der Bienen zur europäischen Landwirtschaft mit jährlich übe 22 Milliarden Euro beziffert.
10.04.2013
Chemie & Nanotechnologie
REACH-Zulassung: NGOs wollen beteiligt werden
Zusammen mit zehn weiteren europäischen Umwelt- und Gesundheitsorganisationen fordern das Europäische Umweltbüro (EEB) und das International Chemical Secretariat (ChemSec) eine bessere Beteiligung von NGOs im REACH-Zulassungsverfahren.
Anfang April verschickten sie entsprechende Empfehlungen an die Europäische Chemikalienagentur (ECHA), die EU-Kommission, das Europäische Parlament und die Mitgliedstaaten.
Der Zulassungsprozess unter der REACH-Verordnung steckt noch in seinen Kinderschuhen. Er entscheidet darüber, ob als besonders besorgniserregende Stoffe (SVHCs) identifizierte Chemikalien aus dem Verkehr gezogen oder weiterhin für bestimmte Zwecke zugelassen werden. Die NGOs wollen sicherstellen, dass besonders besorgniserregende Stoffe, für die es sichere Alternativen gibt, zukünftig nicht mehr genutzt werden dürfen. Das NGO-Papier spricht hierfür Empfehlungen aus und zeigt auf, wie eine aktive Partizipation zivilgesellschaftlicher Akteure und eine höhere Transparenz des Zulassungsprozesses hergestellt werden können. [DNR]
10.04.2013
Chemie & Nanotechnologie
NanoInformationsPortal: Nano in Sport und Freizeit
Nanomaterialien befinden sich in einer Vielzahl von Produkten, zurzeit besteht über diese Materialien aber noch ein großes Forschungsdefizit. Ihre Auswirkungen auf Menschen und Umwelt sind noch nicht ausreichend bekannt. Das neue NanoInformationsPortal, an dem auch das EU-Umweltbüro beteiligt ist, will helfen, dieses Informationsdefizit soweit wie möglich zu reduzieren.
Ein neuer Beitrag auf dem NanoInformationsPortal beschäftigt sich mit Nanomaterialien in Sport- und Freizeitartikeln, zum Beispiel in Tennis- und Badmintonschlägern oder in Wander- und Regenjacken. Auch im Radsport werden Nanomaterialien verwendet. Die Produktpalette reicht von den Visiren der Motorradhelme über Sonnenbrillen bis hin zu Unterwäsche und Socken, die mit antibakteriellem Silber zur Geruchshemmung verarbeitet wurden.
03.04.2013
Chemie & Nanotechnologie
Einstufung gefährlicher Chemikalien: Gerichtshof gibt der Chemikalienagentur recht
Anthracenöl, Anthracenpaste und andere Substanzen sind zu Recht als besonders besorgniserregend eingestuft worden. Das entschied der Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) in Urteilen vom 7. März 2013. Geklagt hatten Unternehmen aus dem Bereich der Kohlechemie gegen die Europäische Chemikalienagentur (ECHA), darunter die deutsche Rütgers Germany mit Sitz in Castrop-Rauxel.
Nach dem Urteil des EuGH sind Pech und Kohlenteer (Hochtemperatur), Anthracenöl und Anthracenpaste als besonders besorgniserregend zu klassifizieren und die sich daraus ergebenden Folgen für die Unternehmen verhältnis- und rechtmäßig.
Die Argumentation, Anthracenöl beziehungsweise Anthracenpaste würden hauptsächlich als Zwischenprodukt für die Herstellung von Industrieruß, reinem Anthracen oder Carbazol vorkommen, weshalb auch mildere Vorschriften zum Schutz von Umwelt und menschlicher Gesundheit ausreichen würden, wurde vom Gericht nicht akzeptiert. Carbazol gilt als hoffnungsvoller Stoff für die Speicherung von Wasserstoff bei der Entwicklung von wasserstoffbetriebenen Kraftfahrzeugen. [DNR, ih]
03.04.2013
Chemie & Nanotechnologie
BUND: Rund 200 deutsche Chemiekonzerne produzieren gesundheits- und umweltschädliche Chemikalien
Insgesamt 207 deutsche Konzerne bringen Chemikalien auf den Markt, die unter anderem Krebs erregen, das Erbgut verändern oder die Fortpflanzungsfähigkeit schädigen, berichtet der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Die Daten stammen aus einer Liste mit insgesamt 709 internationalen Firmen, die von der schwedischen NGO Chemikaliensekretariat (ChemSec) Anfang März veröffentlicht wurde.
Viele der gesundheits- und umweltschädlichen Chemikalien würden nach wie vor in Alltagsprodukten wie Farben, Spielzeug oder Lebensmittelverpackungen eingesetzt werden, warnt der BUND.
"Konzerne wie BASF und Bayer betonen gerne ihr Engagement für eine nachhaltige Entwicklung. Dabei produzieren sie auch Chemikalien, die der menschlichen Gesundheit und der Umwelt massiv schaden. Wer Anspruch auf Nachhaltigkeit erhebt, muss diese auch im Kerngeschäft umsetzen", sagt Ann-Katrin Sporkmann, BUND-Chemie-Expertin. Der Chemiekonzern BASF produziert allein 45 solcher Chemikalien.
Viele von den Herstellern produzierte Chemikalien wie beispielsweise Bisphenol A (BPA) und der Weichmacher DINP würden die Kriterien der "besonders Besorgnis erregenden Stoffe" erfüllen, sagt der BUND. Für diese könnten im Zuge der Umsetzung der Europäischen Chemikalienverordnung REACH künftig Vermarktungsverbote ausgesprochen werden.
27.03.2013
Chemie & Nanotechnologie
EU-Parlament fordert Schutz vor endokrinen Disruptoren
Die EU-ParlamentarierInnen forderten auf ihrer letzten Plenartagung die Europäische Union dazu auf, die „Bürger vor "endokrinen Disruptoren" zu schützen, die im Verdacht stehen, Störungen des Hormonsystems auszulösen und in jüngster Zeit mit verschlechterter Spermienqualität, früherem Eintritt in die Pubertät, bestimmten Krebserkrankungen und anderen Störungen in Verbindung gebracht worden sind“.
In der Sitzung am 14. März 2013 wurde eine diesbezügliche nichtlegislative Entschließung verabschiedet. „Im Hinblick auf die Überarbeitung bis Juni 2015 der zurzeit geltenden Vorschriften sollten diese genau überprüft werden“, verlangen die ParlamentarierInnen. Die Entschließung wurde mit 489 Stimmen angenommen, es gab 102 Gegenstimmen und 19 Enthaltungen.
„In Anbetracht des Anstiegs hormonbezogener Störungen während der vergangenen 20 Jahre drängen die Abgeordneten darauf, stärker in die Forschung zu investieren. Sie fordern die Kommission auch dazu auf, Kriterien auf der Grundlage internationaler Normen vorzuschlagen, um endokrine Disruptoren zu definieren und zu bewerten.“ Die Abgeordneten betonen in ihrer Entschließung auch, „dass nach dem heutigen Stand der Wissenschaft keine ausreichende Handhabe besteht, um einen Grenzwert festzulegen, unterhalb dessen keine schädlichen Auswirkungen auftreten. Deshalb sollten hormonstörende Stoffe als "Stoffe ohne Schwellenkonzentration" gelten, sowie dass jede Exposition gegenüber solchen Stoffen ein Risiko mit sich bringen kann, sofern der Hersteller keine wissenschaftlichen Nachweise dafür erbringen kann, dass sich ein Schwellenwert ermitteln lässt.“
13.03.2013
Chemie & Nanotechnologie
Frankreich: Berichtspflicht über Nanomaterialien ab 2013
Nanotechnologie gilt als die Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts. In fast allen Bereichen spielt sie eine wichtige Rolle. Die Fragen nach den Risiken für Menschen und Umwelt kann jedoch zur Zeit noch nicht beantwortet werden.
Auf nationaler und europäischer Ebene gibt es verschiedene Gesetze und Verordnungen, welche Nanomaterialen erfassen sollen. KritikerInnen bemängeln jedoch eine angemessene Berücksichtigung von Nanomaterialien, so beispielsweise auch in der REACH-Verordnung. Der Umgang mit chemischen Stoffen in Nanoform und nano-spezifische Regelungen sind darin nicht enthalten. Ein europäisches Register über die Herstellung und Verwendung von synthetischen Nanomaterialien
wurde noch nicht realisiert.
Das französische Umweltministerium hat jetzt eine verbindliche Berichtspflicht über Nanomaterialien ab 2013 eingeführt. Dadurch soll es erleichtert werden, Daten über Mengen, Handelswege und deren Verwendung zu identifizieren. Betroffen von der Berichtspflicht sind Unternehmen und Organisationen, die Nanomaterialen von mehr als 100 Gramm pro Jahr herstellen, importieren oder vertreiben. Neben dem Schließen der europaweiten Regulierungslücke soll so auch die Abschätzung von potentiellen Risiken in Frankreich verbessert werden. Unternehmen und Organisationen müssen folglich einen Bericht an die französische Nationale Agentur für Lebensmittelsicherheit, Umwelt und Arbeit (ANSES) senden, welche die Daten sammelt und verwaltet.
Factsheets
Was ist eigentlich Nanotechnologie? Wo wird sie eingesetzt? Sind die Risiken bekannt? Welche Testverfahren werden zur Zeit angewendet?
In diesem Factsheet finden Sie 12 Antworten auf die wichtigsten Fragen zu diesem brisanten Thema.
Dossiers
Stand des Gesetzgebungsverfahrens
Stand des Gesetzgebungsverfahrens
Veranstaltungen
Pathways to Sustainable Healthcare
Datum: 17.09.2013 - 19.09.2013
Ort: 287291 Oxford/UK, Oxford University
Veranstalter: The Centre for Sustainable Healthcare, Oxford OX2 7JA, UK
