Das Ende der Wirkung von lebensrettenden Antibiotika?

8. Feb 18

Umwelt- und Gesundheits-NGOs appellieren an die EU, endlich entsprechend den lauernden Gefahren auf die Verschmutzung der Umwelt durch Arzneimittel zu reagieren. Durch die ausufernde Verwendung von Antibiotika in der Tierhaltung entstehen multiresistente Keime. Viele Antibiotika, die lange Leben retteten, verlieren damit ihre Wirkung. Besonders betroffen sind durch Krankheit geschwächte und ältere Menschen sowie Neugeborene. Laut einem Bericht für die britische Regierung könnte in den nächsten 35 Jahren die Anzahl der Tode durch Antibiotikaresistenz von 700.000 auf 10 Millionen ansteigen. 

Die NGOs zeigen sich enttäuscht von den bisherigen Plänen der EU-Kommission, die Hans Stielstra (Generaldirektion Umwelt) bei einer Veranstaltung zu Antibiotikaresistenz und Arzneimittelverschmutzung Ende Jänner im Europäischen Parlament, vorstellte. So gab er bekannt, dass das Strategiepapier der EU-Kommission keine konkreten rechtlichen Vorschläge für dieses Problem beinhalte. Eher würden allgemeinere Maßnahmen in Betracht gezogen, die Verschmutzungen im gesamten Lebenszyklus der Produkte entgegenwirken sollen. Für Leonardo Mazza, Senior Policy Officer für Biodiversität und Wasser des Europäischen Umweltbüros (EEB), ist das nicht genug: „Es gibt zahlreiche Belege dafür, dass pharmazeutische Wirkstoffe (‚Active Pharmaceutical Ingredients‘-APIs) in der Umwelt ernsthafte Risiken für die Umwelt und unsere Gesundheit darstellen. Das Problem ist gut dokumentiert, aber auf EU-Ebene gibt es keine adäquaten Reaktionen darauf. APIs sind eine der letzten chemischen Wirkstoffgruppen, deren Umweltwirkung nicht reguliert wird. Wir brauchen und erwarten von der EU-Kommission einen ambitionierten und effektiven Plan zur Regulierung.“

Wie aktuell und notwendig politische Maßnahmen zu Antibiotikaresistenzen sind, zeigen aktuelle Untersuchungen aus Niedersachsen. An insgesamt 12 Stellen im gesamten Bundesland wurden Wasserproben genommen und im Labor untersucht. Ergebnis: An allen untersuchten Orten – darunter auch zwei Badestellen – waren sogenannte multiresistente Erreger nachweisbar. "Die Erreger sind anscheinend in der Umwelt angekommen und das in einem Ausmaß, das mich überrascht", sagte Tim Eckmanns vom Robert-Koch-Institut.

Bis 21. Februar ist außerdem eine Konsultation der EU zu Arzneimitteln in der Umwelt geöffnet.

 

Metamag: Era of life-saving antibiotics could be over if pharmaceutical waste not tackled

JOINING THE DOTS - Tackling Pharmaceuticals in the Environment and Antimicrobial Resistance in Europe

Wiener Zeitung: Antibiotika-resistente Keime in deutschen Gewässern