Hannes Heide


Foto: © Daniel Leitner

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Umweltcheck - 5 Fragen

1. Was sind in Ihren Augen die größten umweltpolitischen Herausforderungen der Europäischen Union in den nächsten fünf Jahren?

Wenn wir uns die Ereignisse in den letzten Jahren ansehen, dann sind unsere größten Herausforderungen sicherlich die Folgen des Klimawandels. In meiner Funktion als Bürgermeister von Bad Ischl bin ich im vergangenen Jahr mit enormer Trockenheit während des Sommers konfrontiert gewesen, Stürme und Überflutungen finden mittlerweile jährlich statt. Ich kann daher nicht verstehen, wie manche Menschen immer noch konsequent den Klimawandel leugnen können. Es wird eine Herausforderung sein, dem entgegenzuwirken. Das kann nur mit einer gemeinsamen Anstrengung auf europäischer Ebene erfolgen. Wir müssen den CO2-Ausstoß reduzieren. Dies kann aber keinesfalls mit einer erhöhten Energieproduktion durch Atomkraft erreicht werden, da stelle ich mich entschieden dagegen. Die erste Demonstration an der ich teilgenommen habe, war gegen die Atomkraft! Wir brauchen eine Stärkung der erneuerbaren Energien und die Energiewende. Ich bin überzeugt, dass Österreich auf diesem Gebiet eindeutig Vorreiter sein kann. Ich trete dafür ein, unseren nachfolgenden Generationen eine intakte Umwelt zu hinterlassen. Dazu zählt beispielsweise auch der Schutz unseres Trinkwassers – ein Thema, das mir schon als Bürgermeister besonders am Herzen gelegen ist.


2. Und was sind die größten globalen Herausforderungen in den nächsten 5 Jahren?

Wir haben in Europa einen Raum, welcher von großer Ungleichheit geprägt ist. Auf globaler Ebene ist diese Ungleichheit nochmals um ein Vielfaches größer. Eine der entscheidensten Herausforderungen wird es daher sein, dieser Ungleichheit entgegenzuwirken und zwar auf jeder Ebene – von der Armut bis hin zum Klimawandel und seinen Folgewirkungen. Wir werden auf internationaler Ebene in Zukunft noch stärker als in Europa mit den Folgen des Klimawandels zu kämpfen haben.

Ein weiteres Thema, das wir auf keinen Fall vergessen dürfen, ist die Migration. Denn diese ist ebenso Auswirkung von Ungleichheit – einer ungleichen Verteilung von Wohlstand oder auch einer ungleichen Abhängigkeit von Folgen des Klimawandels. Dieser Herausforderung müssen wir uns unbedingt auf europäischer und auf internationaler Ebene annehmen.

Nicht zuletzt müssen wir uns auch mit der fortschreitenden Urbanisierung beschäftigen. Diese ist von der Gemeinde- bis zur globalen Ebene ein zentrales Thema. Wir brauchen eine klare Agenda, was nachhaltige Stadt- und Gemeindeplanung betrifft. Dabei handelt es sich um einen Bereich, der auch Teil meiner bisherigen Tätigkeit als Bürgermeister war. In ländlichen Gebieten haben wir mit dem Thema Landflucht, insbesondere von jungen Menschen, zu kämpfen. Gleichzeitig wird der Raum in unseren Städten oft knapp und die Wohnpreise steigen rasant. Diesem Bereich sollten wir uns demnach unbedingt auch verstärkt in Europa annehmen. Viele Themen werden also sowohl auf europäischer Ebene, als auch auf globaler Ebene eine zentrale Rolle spielen.

 

3. Wohin soll Ihrer Meinung nach die Reise Europas gehen?

Weißbuch zur Zukunft Europas: Fünf Szenarien

Meine Vision für Europa heißt ganz klar "Miteinander statt Gegeneinander". Nur gemeinsam sind die großen Probleme lösbar, sei es die Umweltthematik, das Flüchtlingsthema, sei es ein soziales Europa, ein Europa der Steuergerechtigkeit oder eines, dass jungen Menschen Chancen bietet. Wenn man sich die fünf Szenarien zur Zukunft Europas vor Augen hält, dann muss uns klar sein, dass wohl keines in seiner angeführten Form genau so vollendet werden wird. Wahrscheinlich und auch wünschenswert ist meiner Ansicht nach eine Mischung aus Szenario 1: Weiter wie bisher und Szenario 5: Viel mehr gemeinsames Handeln. Es wird uns in Zukunft noch viel mehr bewusst werden, dass manche Herausforderungen, denen wir uns in Zukunft zu stellen haben, einfach nicht auf nationaler Ebene lösbar sein werden. Das wird dazu führen, dass wir in einigen Bereichen noch stärker zusammenarbeiten werden. Ein gemeinsames Europa kann und darf sich meiner Ansicht nach auch nicht auf den Binnenmarkt beschränken, wie es in Szenario 2: Schwerpunkt Binnenmarkt beschrieben wird. Wir müssen in den nächsten Jahren gerade in der sozialen Frage nach vorne kommen. Wir haben in Europa immer noch große Unterschiede zwischen unseren Regionen. Dies wird besonders dann deutlich, wenn wir die Jugendarbeitslosigkeit vergleichen. Genauso auch im Gesundheitsbereich: Wir haben in Österreich zum Glück noch eines der besten Sozial- und Gesundheitssysteme der Welt. Gleichzeitig haben wir beispielsweise im Donaudelta Rumäniens immer noch mit Lepra zu kämpfen. Das kann doch nicht sein! Schon gar nicht in der Europäischen Union. Diesen Ungleichheiten müssen wir gemeinsam entgegentreten. Gerade dann wird die Europäische Union auch wieder spürbar werden. Oft hat man das Gefühl, die europäische Politik habe sich teilweise von den Menschen entfernt und Europa scheint nur mehr eines für Konzerne zu sein und nicht mehr eines der Chancen und Möglichkeiten für alle. Wenn wir den Fokus ändern und verstärkt ein soziales und nachhaltiges Europa forcieren, dann wird Europa für die zukünftigen Herausforderungen erheblich besser aufgestellt sein.


4. Müssen die UN-Agenda 2030 mit ihren 17 Nachhaltigkeitszielen Grundlage für die Prioritäten der nächsten EU-Kommission werden?

Meiner Ansicht nach eindeutig. Nie hat es eine so breit gefächerte Agenda gegeben, die wirklich die wichtigsten Ziele für unsere Zukunft aufzeigt. Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung geben uns den Weg für eine nachhaltige globale Entwicklung vor und gerade Europa sollte auf diesem Gebiet Vorreiter sein. Gerade die vorausgestellten Grundfreiheiten der UN-Agenda 2013 decken sich ganz klar mit den Grundwerten der Sozialdemokratie und mit meinen persönlichen Grundwerten. Einige Themengebiete habe ich meinen bisherigen Ausführungen ja bereits angeführt. Eines ist mir aber noch besonders wichtig, zu erwähnen – die Gleichstellung der Geschlechter. Es ist im Jahr 2019 dringend an der Zeit, um Gewalt gegen Frauen zu unterbinden, Diskriminierung zu beenden und Chancengleichheit zu fördern. Zudem ist es beschämend, wie weit verbreitet die Armut auch in unserem reichen Land noch ist. Wenn ein Drittel der Österreicherinnen und Österreicher das Weihnachtsgeld für die Bezahlung ihrer Schulden verwenden müssen, dann verdeutlicht das, dass die Probleme Teuerung und Kostendruck wieder in den Mittelpunkt rücken. Die Menschen verspüren von allen Seiten immer mehr Druck. Druck am Arbeitsplatz. Druck, die Familie ernähren zu können. Druck, eine leistbare Wohnung zu finden. Druck, den Kindern eine gute Ausbildung zu ermöglichen. Wir müssen darauf eine Antwort finden. Und diese Antwort ist Gerechtigkeit.

Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung müssen demnach unbedingt auch Grundlage für die Prioritäten der nächsten EU-Kommission sein. Ich hoffe, dass diese für progressive und nachhaltige Politik eintreten wird. Dafür können wir alle auch einen kleinen Beitrag mit unserer Stimme bei den Wahlen leisten.


5. Weiters möchten wir gerne von Ihnen wissen, ob Sie bereits an folgenden EU-weiten Umweltkampagnen teilgenommen haben?
                                                         

TEILGENOMMEN                   -   #Protect Water – Fitnesscheck Wasserrahmenrichtlinie       

TEILGENOMMEN                   -   Konsultation zur Zukunft Europas 

NICHT TEILGENOMMEN   -   Europäische Woche der Abfallvermeidung 

NICHT TEILGENOMMEN   -   Nature Alert Kampagne 

TEILGENOMMEN                   -   Verbot von Glyphosat und Schutz von Menschen und Umwelt vor giftigen Pestiziden