Werner Kogler


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Umweltcheck - 5 Fragen

1. Was sind in Ihren Augen die größten umweltpolitischen Herausforderungen der Europäischen Union in den nächsten fünf Jahren?

Angesichts der dramatischen Situation, in der sich unser Heimatplanet befindet, muss sich die EU als Avantgarde und treibende Kraft einer ambitionierten internationalen Klima- und Umweltpolitik positionieren.

Im Einzelnen:

  •  Rasches, radikales und weitreichendes Handeln, um die Klimakatastrophe abzuwenden; so schnell wie möglich in Richtung CO2 -neutrales Wirtschaften, durch Energiewende, Agrarwende und Verkehrswende zu gelangen.
  • Alles zu unternehmen, um den Verlust der Biodiversität aufzuhalten, das Insektensterben, den Verlust von Biotopen, Wirbeltieren usw. Dazu muss die Gemeinsame Agrarpolitik der EU umgewandelt werden in eine Agrarpolitik, die nachhaltige Lebensmittelproduktion für die Bürgerinnen und Bürger der EU sicherstellt, anstatt industrielle Agrarproduktion incl. Tierleid und hohem Pestizideinsatz für den Export zu fördern. Die Zulassung von Pestiziden muss transparenter und demokratisch kontrollierbar, der Einfluss der Agrochemiekonzerne auf die Zulassungsprozesse minimiert werden.

  • Verwendung, Verbrauch und Wiederverwertung von Ressourcen, mit dem Hauptaugenmerk auf Minimierung des Verbrauchs – reduce, reuse, recycle - organisieren. Von Plastik über nachwachsende Rohstoffen bis hin zu Baumaterialien – die EU muss konsequent an der Minimierung des Ressourcenverbrauchs wie auch an einer zukunftsfähigen Abfallwirtschaft arbeiten.

  • Verschmutzung, Zerstörung und Degradierung von Wäldern, Böden, Wasser und Luft aufhalten bzw revidieren. Die Abholzung von ökologisch wertvollen Wäldern, die Zerstörung von Naturschutzgebieten, die Versiegelung, Erosion und Kontamination von Böden, gesundheitsschädliche Emissionen in die Luft, die Verschmutzung von Oberflächen- und Grundwässern sind gewaltige Verwerfungen, denen die EU begegnen muss.

Bei aller Dringlichkeit, die geboten ist, müssen aber sämtliche umwelt- und klimapolitischen Maßnahmen auf ihre sozialen Auswirkungen hin überprüft werden und die Betroffenen  in die Erarbeitung von Lösungen einbezogen werden, Stichwort „just transition“ bzw. Klimagerechtigkeit.  Ohne soziale Gerechtigkeit keine Umweltpolitik, ohne Umweltpolitik keine soziale Gerechtigkeit!


2. Und was sind die größten globalen Herausforderungen in den nächsten 5 Jahren?

Den größten Herausforderungen wie Klimakrise, Artensterben, Zerstörung natürlicher Ressourcen und Ressourcenverbrauch müssen sich die Europäische Union und das Europäische Parlament stellen. Zudem ist es eine der größten Herausforderungen, die Armut und die globale Ungleichheit zu bekämpfen, ohne dadurch den Ressourcenverbrauch und die Erderhitzung zu befeuern. Diejenigen, die am wenigsten zur Zerstörung des Planeten beigetragen haben, müssen bereits jetzt am allermeisten unter den Konsequenzen der Klimakatastrophe und der Umweltzerstörung leiden. Globale Umweltpolitik und globale Klimapolitik müssen Hand in Hand mit einer Politik der globalen Gerechtigkeit gehen.


3. Wohin soll Ihrer Meinung nach die Reise Europas gehen?

Weißbuch zur Zukunft Europas: Fünf Szenarien

Europa muss sich seiner historischen Verantwortung bewusst sein – Stichwort Kolonialismus, Ressourcenverbrauch, Ausbeutung des Globalen Südens -  und deswegen nicht nur im Interesse der Europäerinnen und Europäer, sondern auch im Interesse aller Menschen dieser Welt zum Vorzeigekontinent in punkto Umwelt- und Klimaschutz, aber auch punkto sozialer Gerechtigkeit entwickeln. Die EU soll ihr politisches Gewicht in den multinationalen Institutionen dazu verwenden, globale ehrgeizige Umwelt- und Klimapolitik voranzutreiben und selbst mit gutem Beispiel vorangehen. Zudem muss sie als eine der reichsten Regionen der Welt maßgeblich zur Finanzierung der „just transition“ und von Klimawandelanpassungsmaßnahmen beitragen. In Europa selbst geht es darum, soziale Gerechtigkeit und ambitionierten Umwelt-, Klima- und Naturschutzpolitik zu verbinden und demokratische Grundrechte zu erhalten bzw auszubauen.


4. Müssen die UN-Agenda 2030 mit ihren 17 Nachhaltigkeitszielen Grundlage für die Prioritäten der nächsten EU-Kommission werden?

Selbstverständlich, die SDGs hätten schon längst absolute Priorität sein müssen. Die EU hat sich prinzipiell zur Coherence for Development, also zur entwicklungspolitischen Kohärenz verpflichtet. Leider wird dieser Verpflichtung in vielen Fällen nicht nachgekommen, sei es in der EU-Handelspolitik, in Bezug auf die Rohstoffstrategie der EU, in der Agrarpolitik und vielen Politikbereichen mehr. Wenn die EU als Wiege der Demokratie ihrer Verantwortung gerecht wird, muss sie sich ohne Wenn und Aber der Erfüllung der UN-Nachhaltigkeitsziele verpflichten – in Europa und als Akteurin auf der weltpolitischen Bühne bzw. in internationalen Institutionen.


5. Weiters möchten wir gerne von Ihnen wissen, ob Sie bereits an folgenden EU-weiten Umweltkampagnen teilgenommen haben?
    
                                                     

NICHT TEILGENOMMEN   -   #Protect Water – Fitnesscheck Wasserrahmenrichtlinie     

NICHT TEILGENOMMEN   -   Konsultation zur Zukunft Europas

NICHT TEILGENOMMEN   -   Europäische Woche der Abfallvermeidung

NICHT TEILGENOMMEN   -   Nature Alert Kampagne

NICHT TEILGENOMMEN   -   Verbot von Glyphosat und Schutz von Menschen und Umwelt vor giftigen Pestiziden