Abgaswerte: Tricksereien mit Wissen der deutschen Bundesregierung
Verkehr & Luft & Industrie
Schon seit Jahren ist bekannt, dass die offiziellen Zahlen der Automobilindustrie zu Spritverbrauch und Emissionen von den real auf der Straße erfahrbaren Werten deutlich abweichen, kritisiert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Der Grund dafür würde unter anderem darin liegen, dass die Messverfahren, mit denen die Werte ermittelt werden unrealistisch seien. Denn diese werden unter optimierten Bedingungen im Labor ermittelt und nicht in einer wirklichkeitsgetreuen Fahrsituation.„Der Volkswagen-Skandal ist nur die Spitze des Eisbergs
Die Enthüllungen rund um den Betrugsfall von Volkswagen zeigen, dass in der Automobilindustrie nicht nur legale und halblegale Tricksereien an der Tagesordnung sind, sondern auch im großen Stil systematisch betrogen wird. Die Datenlage legt die Vermutung nahe, dass sich der Skandal nicht allein auf VW beschränken wird“, kritisiert der BUND.
Der eigentliche politische Skandal sei, so der BUND, dass der deutschen Bundesregierung „nach eigenen Angaben bereits seit Herbst 2014 bekannt ist, dass Euro-6-Diesel-Pkw in Deutschland im Realbetrieb sechsmal mehr Stickstoffoxide(NOx) ausstoßen, als sie es laut Typzulassung dürften. Diese Diesel-Pkw befinden sich damit nach Aussage der Bundesregierung auf dem Niveau eines Euro-3-Fahrzeugs. Dies ist unabhängig von den illegalen Manipulationen bei VW und erstreckt sich über alle Marken und Fahrzeuge“.
„Jahrelang hat die Bundesregierung den vermeintlich klimafreundlicheren Dieselmotor steuerlich besser gestellt, ohne auch weitere Folgen des Diesels wie die Belastung mit Feinstaub/Dieselruß und Stickoxiden zu berücksichtigen. Es ist nicht hinnehmbar, dass das Bundesverkehrsministerium keine Konsequenzen gezogen hat, obwohl es schon mindestens seit einem Jahr von den erhöhten Abgaswerten bei Diesel-Fahrzeugen weiß.“
„Durch das Zurückhalten der Informationen über den erhöhten NOx-Ausstoß hat die Bundesregierung die Gesundheit von StadtbewohnerInnen aufs Spiel gesetzt: Die erhöhten Stickstoffdioxid (NO2)-Werte schädigen die Atemwege; bei Kindern können chronische Bronchitis und Asthma die Folge sein.“
Der BUND fordert jetzt Nachprüfungen der NOx- und CO2-Werte im Realbetrieb auf den Straßen, um den tatsächlichen Schadstoffausstoß der Fahrzeuge zu ermitteln. „Diese Prüfungen dürfen nicht nur die Dieselfahrzeuge des VW-Konzerns betreffen, sondern müssen für alle Pkw-Modelle aller Hersteller realistische Werte ermitteln.“
Die Überprüfung müsse außerdem durch eine unabhängige Behörde stattfinden, so der BUND. „Das Bundesverkehrsministerium und das Kraftfahrtbundesamt sind dafür nicht geeignet, sondern Teil eines wirtschaftspolitischen Systems, das zu diesem Skandal geführt hat“.
„Bei Überschreitung der gesetzlichen Grenzwerte muss von den Herstellern verbindlich nachgebessert werden. Sollte eine Nachbesserung nicht möglich sein, muss eine Rückabwicklung des Kaufes erfolgen, die Betriebserlaubnis müsste dann erlöschen.“
„Die Subventionierung der Energiesteuer für Diesel-Pkw muss beendet werden, weil sie die CO2-Reduktion im Verkehr verhindert. Sie ist ein starker Anreiz zum Vielfahren und wurde von den Herstellern genutzt, immer schwerere Autos und mehr SUV auf die Straßen zu bringen.“
„Zum Schutz der Bürgerinnen und Bürger muss eine Reduktion der NOx-Emissionen in den Städten erfolgen“, fordert der BUND abschließend.