Agrotreibstoffe gefährden die Glaubwürdigkeit der EU

Klima & Energie

Die Europäische Union deklariert die Verbrennung von Biotreibstoffen noch immer als CO2-neutral und gefährdet damit ihre Glaubwürdigkeit bei Klimabemühungen.

Zwei neue Studien, die im Auftrag von BirdLife International, dem Europäischen Umweltbüro EEB und Transport & Environment erarbeitet wurden, zeigen einmal mehr, dass Biotreibstoffe keineswegs CO2-neutral sind und teilweise sogar mehr CO2-Emissionen verursachen als fossile Treibstoffe:
Bisher wurde von Seiten der Union nicht berücksichtigt, dass bei der Ernte, bei der Umwandlung von Nutzflächen, und durch den zusätzlichen Flächenbedarf hohe CO2-Emissionen verursacht werden.

Geht es nach den beiden Studien, wird die derzeitige Herangehensweise der Union mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Anstieg der CO2-Emissionen führen. Größtes Problem ist, dass die EU den Effekt des „Indirect Land Use Change (ILUC)“ nur unzureichend berücksichtigt. Wird beispielsweise Regenwald in Ackerland zur Biospriterzeugung umgewandelt, wird durch die veränderte Bodennutzung bis zu 420-mal mehr CO2 freigesetzt als durch die Verwendung des Biotreibstoffes eingespart wird. Eine ordnungsgemäße Berücksichtigung dieser ILUC-Emissionen ist daher unerlässlich. Die AutorInnen schlagen einen ILUC-Korrekturfaktor zur Behebung der Problematik vor. Weiters fordern sie, dass auch Biodiversitätsverluste und Ökosystemleistungen bei politischen Entscheidungen zu Bioenergie und Biotreibstoffen verstärkt berücksichtigt werden müssen.

Insgesamt, so die Studien, können Bioenergie und Biotreibstoffe durchaus dazu beitragen, den CO2-Ausstoß zu minimieren - aber nur dann, wenn die richtigen Technologien und Rohstoffe verwendet werden.
Die EU hat sich als Ziel gesetzt, bis 2020 10% des Treibstoffbedarfs mittels Biotreibstoffen abzudecken.

Weitere Informationen (en)
Bericht EEB (en)
Report „The upfront carbon debt of bioenergy“ (en)
Report „indirect land use change and climate impact“ (en)