Autokonzerne wollen Klimaziele nicht einhalten
6. Sept 18
Die europäische Autoindustrie nutzt den Dieselskandal, um die Klimavorgaben der EU für die kommenden Jahre abzuschwächen.
"In unserer Branche herrscht große Sorge, ob wir das Ziel für 2021 erreichen, denn das wird natürlich schon knifflig", so Erik Jonnaert vom europäischen Verband der Autoindustrie Acea am Dienstag in Brüssel. Auch die langfristigen Ziele würden die Industrie demnach überfordern.
Nach bereits beschlossenen EU-Vorgaben dürfen Neuwagen bis spätestens 2021 nur noch 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Derzeit sind es offiziell noch 118,5 Gramm pro Kilometer. Dies gilt für den Durchschnitt der gesamten Flotte eines Autobauers. Daneben kommen die Richtlinien Autokonzernen auch dadurch entgegen, dass Elektro- und Hybridfahrzeuge als Nullemissionsautos angerechnet werden, was Schönrechnerei der Zahlen erlaubt.
Für 2030 hat die EU-Kommission eine Reduktion des Ausstoßes um 30 Prozent vorgeschlagen. Dieses Ziel ist dem Verband der Autobauer jedoch zu viel, eine Reduktion um 20 Prozent wäre „realistischer“. Als eine Begründung muss kurioserweise der Dieselskandal herhalten, nach dem die Absatzzahlen der vermeintlich weniger klimaschädlichen Dieselfahrzeuge eingebrochen sind. Deren Vorteile bestehen jedoch „nur auf dem Papier“, wie es das deutsche Umweltbundesamt formuliert. Denn gerade große und stark motorisierte Fahrzeuge wie SUVs werden mit Dieselmotoren ausgestattet.
Die deutschen Umweltverbände BUND, DUH und VCD fordern unterdessen eine CO2-Minderung um 60 bis 70 Prozent bis 2030. Dies sei "notwendig, technisch machbar und volkswirtschaftlich sinnvoll", sagte Gerd Lottsiepen vom ökologischen Verkehrsclub VCD.
klimareporter.de: Europas Autobauer wollen Klimaziele schleifen