Biotreibstoffe bis zu vier Mal klimaschädlicher als herkömmliche Treibstoffe? EU muss bislang unveröffentlichte Berichte herausgeben
Klima & Energie
Die Europäische Kommission hat ein kritisches Dokument aus dem Anhang eines Berichts über Agrotreibstoffe entfernt.Ein im Dezember 2009 veröffentlichter Bericht der Europäischen Kommission hatte ursprünglich ein Dokument über die CO2-Bilanz von Biokraftstoffen im Anhang, das dann aber doch nicht veröffentlicht wurde.
Die Nachrichtenagentur Reuters hat sich unter Berufung auf die Auskunftspflicht öffentlicher Einrichtungen Zugang zu dem bisher unveröffentlichten Dokument verschafft. Daraus geht unter anderem hervor, dass Biodiesel aus nordamerikanischen Sojabohnen eine vier Mal höhere CO2-Bilanz aufweist als herkömmlicher Diesel.
Man wollte aber keine Beweise vertuschen, so die Europäische Kommission, sondern die Ergebnisse vor der Veröffentlichung noch einer eingehenden Analyse unterziehen.
Der Studie zufolge dürfte es je nach Produktionsort enorme Unterschiede in der CO2-Bilanz der einzelnen Treibstoffe geben. Während Importe von Bioethanol aus lateinamerikanischem Zuckerrohr und Palmöl aus Südostasien mit 82 bzw. 74 kg CO2 pro Gigajoule eine relativ gute Bewertung erhalten, kommen die AutorInnen bei Biodiesel aus nordamerikanischen Sojabohnen auf eine indirekte CO2-Bilanz von 340 kg CO2 pro Gigajoule.
Einer der an der Wissenschaft beteiligten Wissenschaftler, Wolfgang Eichhammer vom Fraunhofer Institut, warnt jedoch vor voreiligen falschen Schlüssen. Viel sei noch zu tun, bevor man endgültige Antworten geben könne, insbesondere müssten neue Nachhaltigkeitskriterien gefunden werden.
Die Europäische Union hat sich selbst das Ziel gesetzt bis zum Ende des Jahrzehntes 10 % ihres Kraftstoffbedarfs mit Erneuerbaren Energien – vor allem Biodiesel und Bioethanol – abzudecken.
Artikel auf EurActiv.com
Presseaussendung Friends of Earth (en)
Bericht „Global Trade and Environmental Impact Study of the EU Biofuels Mandate“ (en)