Britischer Bericht fordert globalen Marshall-Plan für Biodiversität

Dem Bericht des Wirtschaftswissenschaftlers Partha Dasgupta vom St. John's College der University of Cambridge zufolge verursache der Verlust von Biodiversität hohe wirtschaftliche Kosten. Präsentiert wurde der Bericht am Dienstag der Vorwoche in London.

Im Auftrag der britischen Regierung hatte Dasgupta versucht, den ökonomischen Wert der Natur zu beschreiben. Der Bericht zeigt, dass Wirtschaftswachstum und Wohlstand nur auf Grundlage einer gesunden Natur möglich sind. Das bedeute, dass Konsum, Produktion und Lieferketten auf der ganzen Welt grundlegend umstrukturiert werden müssen, um den Planeten auf eine ökologisch und ökonomisch nachhaltige Basis zu stellen. So schlägt der Wissenschaftler vor, den globalen Pro-Kopf-Verbrauch zu verringern, Maßnahmen gegen das Weltbevölkerungswachstum zu ergreifen, die Effizienz, mit der Güter und Dienstleistungen bereitgestellt werden, zu erhöhen - sowie Investitionen für die Erhaltung und Regeneration natürlicher Systeme zu fördern.

Dazu sei ein neuer Marshall-Plan erforderlich – nach dem Vorbild des Plans, der die Volkswirtschaften Westeuropas nach dem Zweiten Weltkrieg maßgeblich unterstützte. So könne der Niedergang der Natur und die wachsenden Ansprüche der Menschen an die Biosphäre umgekehrt werden.

NABU fordert konsequente Umsetzung der Biodiversitätsstrategien

Der Naturschutzbund (NABU) forderte mit Bezug auf den Dasgupta-Bericht, Naturschutz konsequent in wirtschaftliche und politische Entscheidungen einzubeziehen, Ökosysteme zu schützen und die Renaturierung voranzutreiben. „Seit Jahrzehnten werden Natur und Umwelt zu Gunsten kurzfristiger Profite zerstört. Dadurch sind die Ökosysteme kaum noch widerstandsfähig, wodurch enorme Kosten und Risiken für heutige und zukünftige Generationen entstehen – etwa durch Pandemien, Naturkatastrophen oder Nahrungsmittelengpässe“, sagte NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger. Er plädierte dafür, dass alle nationalen und internationalen Biodiversitätsstrategien, die aktuell verhandelt werden, ambitionierte Ziele verfolgen und konsequent in Politik und Wirtschaft umgesetzt werden.

Auch für Eberhard Brandes, den geschäftsführenden Vorstand des World Wildlife Fund (WWF) Deutschland, müsse der Schutz von Natur und Klima in allen wirtschaftlichen und politischen Entscheidungen mitgedacht werden. Kreislaufwirtschaft sei dazu ein zentraler Baustein. „Mit unserer linearen Wirtschaft entnehmen wir dem Planeten Ressourcen, verbrauchen sie und werfen sie dann weg. Dabei entsteht ein großer Teil der klimafeindlichen Treibhausgase, artenreiche Ökosysteme wie tropische Wälder werden zerstört, wertvolle Rohstoffe werden massenhaft verschwendet“, so Brandes.

In einer aktuellen Broschüre stellt der WWF sieben Projekte zur erfolgreichen Renaturierung in Europa vor. Dabei beleuchtet der WWF die Wiederherstellung von Torfgebieten in Estland sowie von borealen Wäldern und Sumpfgebieten in Finnland. Im Fokus stehen auch der Côte Bleue Marine Park in Frankreich, die Feuchtgebiete im rumänischen Donaudelta und die Salzwiesen an der deutschen Ostseeküste. Als Erfolgsgeschichten genannt werden der Rückbau eines Staudamms in Spanien und ein Projekt zur Wiederaufforstung in Griechenland. Laut dem WWF zeigen all diese Projekte deutlich die Vorteile der Renaturierung für die Menschen und den Planeten.

EU-Kommission plant Gesetz zur Wiederherstellung der Natur

Während die EU-Kommission rechtsverbindliche Ziele für die Umkehrung der ökologischen Degradation vorbereitet, versprach EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevičius ein Gesetz zur Wiederherstellung der Natur in diesem Jahr. Dazu sprach Sinkevičius vergangene Woche auf einer Online-Veranstaltung des Europabüros des WWF. Laut Sinkevičius erwäge die Generaldirektion Umwelt der Kommission eine Reihe von Optionen, während sie sich auf die Durchführung einer Folgenabschätzung vorbereite, einschließlich eines einzigen verbindlichen Ziels zur Wiederherstellung, wie es vom WWF und dem EU-Parlament gefordert werde. „Alternativ könnten wir individuelle Ziele für verschiedene Ökosysteme oder Lebensräume haben, oder sogar Gruppen von Arten […] oder eine Kombination dieser Ansätze“, zitierte Ends Europe den Umweltkommissar.

Noch bis zum 5. April läuft eine öffentliche Konsultation zur geplanten Verordnung für die Wiederherstellung der Natur im Rahmen der EU-Biodiversitätsstrategie 2030. 

 

Ends Europe (kostenpflichtig): Green recovery: Sinkevicius promises ‘robust’ nature restoration law 

UK Government: Final Report - The Economics of Biodiversity: The Dasgupta Review 

NABU: Dasgupta-Bericht: Zerstörung der Natur birgt enorme Kosten und Risiken – heute und in Zukunft 

WWF Deutschland: Dasgupta-Bericht: Intakte Natur ist Grundlage für Wirtschaft und Wohlstand 

WWF EU: Nature restoration stories prove planned EU law is huge opportunity