CIRIEC-Kongress: Kreislaufwirtschaft sozial gerecht gestalten

Wie können öffentliche Unternehmen, Genossenschaften und die Sozialwirtschaft den ökologischen Wandel voranbringen? Beim internationalen CIRIEC-Kongress in Montréal brachte Bernhard Zlanabitnig, der Leiter des EU-Umweltbüros die Perspektive der europäischen Umweltbewegung ein. Im Mittelpunkt seines Beitrags standen faire Finanzierung, demokratische Mitgestaltung und regionale Wertschöpfung.

Vom 5. bis 8. Oktober 2026 fand in Montréal der 35. internationale CIRIEC-Kongress statt. Unter dem Leitmotiv „Caring for the World“ widmete sich die Veranstaltung dem Beitrag der Sozialwirtschaft und öffentlicher Unternehmen zum Gemeinwohl. Vertreter:innen aus Wissenschaft, Politik und Praxis diskutierten unter anderem über nachhaltige Finanzierung, demokratische Unternehmensführung und die sozial-ökologische Transformation.

Ökologischer Wandel braucht gerechte Wirtschaftsstrukturen

Bernhard Zlanabitnig, Leiter des EU-Umweltbüros und Vizepräsident des Europäischen Umweltbüros (EEB), nahm am 7. Oktober an der Plenarsitzung zur sozial-ökologischen Transformation und Kreislaufwirtschaft teil. Seine zentrale Botschaft: Der Wandel braucht neben technologischen Lösungen auch wirtschaftliche Strukturen, die ökologische Ziele und soziale Gerechtigkeit verbinden. Entscheidend sei deshalb auch, wer investiert, wer entscheidet, wer Risiken trägt und wem die geschaffenen Werte zugutekommen.

Öffentliche Unternehmen, Genossenschaften und soziale Unternehmen können dabei eine wichtige Rolle übernehmen. Langfristige Investitionen in erneuerbare Energie, öffentliche Mobilität oder Reparatur- und Wiederverwendungsangebote schaffen gesellschaftlichen Nutzen, der über kurzfristige finanzielle Erträge hinausgeht. Voraussetzung dafür sind klare öffentliche Aufgaben, transparente Entscheidungen und wirksame Mitbestimmung.

Faire Finanzierung und regionale Wertschöpfung als Schlüssel zum Wandel

Ein weiterer Schwerpunkt war die Finanzierung. Zlanabitnig plädierte für eine faire Besteuerung von Vermögen und Unternehmensgewinnen sowie neue Eigenmittel für den EU-Haushalt. Ausreichende öffentliche Einnahmen schaffen den Spielraum, gezielt in den Wandel zu investieren. Öffentliche Beschaffung und Förderungen sollten dabei auch Leistungen wie Ressourcenschonung, soziale Teilhabe und gute Arbeitsplätze berücksichtigen.

Mit dem Ansatz „Community Wealth Building“ zeigte er außerdem, wie mehr Wertschöpfung vor Ort bleiben kann: Kommunen und öffentliche Einrichtungen können ihre Aufträge, Investitionen und Liegenschaften gezielt für lokale Betriebe, Genossenschaften und soziale Unternehmen einsetzen. Während Kreislaufwirtschaft Produkte und Materialien länger im Umlauf hält, richtet dieser Ansatz den Blick darauf, wie auch wirtschaftlicher Wohlstand stärker in der Region zirkuliert. Ziel ist eine ressourcenschonende, demokratische Wirtschaft, die ein gutes Leben innerhalb planetarer Grenzen ermöglicht.

CIRIEC Kongress 2026