COP 28 Dubai: Aus für fossile Brennstoffe
Auf der Klimakonferenz in Dubai wurde tagelang um ein verbindliches Aus für Kohle, Öl und Gas gerungen. Aus der Sicht der Wissenschaft ist dieser Ausstieg notwendig, um die Klimaziele zu erreichen. Dies gilt auch für Österreich. Daher stellt sich die Frage: Wie muss in Österreich das Energiesystem bis 2040 umgebaut werden, um auf Öl, Gas und Kohle zu verzichten.
Ein Energiesystem für Österreich ohne Öl, Gas und Kohle
Wärme: der Bedarf für Raum- und Prozesswärme muss bis 2040 durch Wärmedämmung, Sparen und Effizienzverbesserung deutlich zurückgehen. Der verbleibende Bedarf wird mit Wärmepumpen, Biomasse, Solarthermie, Abwärme, in Ausnahmefällen Strom gedeckt. Hochtemperaturwärme wird mit Strom oder grünem Gas erzeugt. Verkehr: Mindestens 95 Prozent der Mobilität erfolgt elektrisch und der Rest der Transportmittel nutzt Biotreibstoffe und in Sonderfällen E-fuels. Dies führt zu einem Rückgang des Primärenergiebedarfs um über 70 Prozent, weil die E-Motoren effizienter sind als Verbrenner. Strom: Kalorische Kraftwerke verwenden Biomasse oder grünes Gas (synthetisches Gas, Biomethan), ihr Einsatz geht stark zurück; Strom aus PV, Wind, Wasser, Biomasse dominiert. Primärenergiebedarf 2040: dieser geht deutlich zurück, weil das System effizienter ist und der Wärmebedarf kleiner wird. Der verbleibende Bedarf wird durch Ausweitung der Stromerzeugung aus Wind, Photovoltaik, Wasserkraft und Biomasse und durch mehr Biomasse, Solarthermie und Umgebungswärme für den Wärmesektor gedeckt. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass ein System ohne fossile Energien möglich ist. Nicht eine Verdreifachung, sondern eine Verdoppelung der Erneuerbaren ist notwendig, Wind und PV müssen massiv ausgebaut werden, E-Autos müssen Verbrenner ersetzen, Wärme muss ohne Öl und Gas bereitgestellt werden, neue Gasbohrungen sind Fehlinvestitionen und die Kohlenstoffspeicherung ist zu teuer.
Position der Organisation WWF
Zwar läutete die Weltklimakonferenz die Abkehr von fossilen Energien ein – aber mit Lücken und Schlupflöchern mangelte es an Ambition. 2023 wird das heißeste Jahr der letzten 125.000 Jahre sein, so viel lässt sich anhand der vorliegenden Daten bereits jetzt mit großer Sicherheit sagen. Die Auswirkungen sind rund um den Globus spürbar. Wir stehen am Beginn einer Beschleunigung extremer Wetterereignisse und weiterer Konsequenzen. Vor diesem Hintergrund ging die diesjährige UN-Weltklimakonferenz (COP28) zu Ende. Entscheidungsträger:innen aus über 190 Ländern trafen sich in Dubai, um fast zwei Wochen lang über die Umsetzung des Pariser Klimaschutz-Abkommens zu verhandeln. Es gab einen wichtigen Fortschritt, aber trotzdem zu wenig Ambition und Dringlichkeit. Die Erreichung des Hauptziels des Pariser Klimavertrags, die Erderhitzung auf 1,5 Grad zu begrenzen, wird immer schwieriger.
Überblick zu den wichtigsten Punkten
Die Weltklimakonferenz läutet die Abkehr von fossilen Brennstoffen ein. Erstmals werden fossile Energieträger als Hauptverursacher der Klimakrise in einem Abschlussdokument beim Namen genannt. Doch leider gibt es auch viele Lücken und Schlupflöcher – etwa durch umstrittene und nicht hinreichend verfügbare Technologien. Nach wie vor fehlt es an Ambition und Dringlichkeit.
Gelder zur Finanzierung von Verlusten und Schäden für besonders von der Klimakrise betroffene Staaten wurden beschlossen. Die finanziellen Mittel werden dabei über einen Fonds verteilt. Dieser muss jedoch nun in einem weiteren Schritt erst ausreichend finanziell dotiert werden, um wirksam agieren zu können.
Im Rahmen der COP 28 fand erstmalig die im Pariser Klima-Übereinkommen vorgesehene erste „Globale Bestandsaufnahme“ statt. Diese ähnelt einem globalen Stresstest für die Klimapolitik. Die Ergebnisse waren leider eindeutig: Wir sind absolut nicht auf Kurs. Es gibt eine große Lücke zwischen den steigenden CO2-Emissionen und dem wissenschaftlich erforderlichen Minderungspfad.
Mehr als 150 Staatsoberhäupter unterzeichneten auf der Weltklimakonferenz auch eine Erklärung über nachhaltige Landwirtschaft, widerstandsfähige Lebensmittelsysteme und Klimamaßnahmen. Dreiunddreißig Länder haben sich wiederum der Freshwater Challenge angeschlossen: Sie soll sicherstellen, dass rund 300.000 Kilometer degradierte Flüsse und 350 Millionen Hektar degradierte Feuchtgebiete bis 2030 wiederhergestellt werden. Ebenfalls zu den Erfolgen der COP zählt die neue Alliance for Champions of Food Systems Transformation, die auch vom WWF unterstützt worden ist: Dabei haben sich Brasilien, Norwegen, Sierra Leone, Kambodscha und Ruanda verpflichtet, ihre Lebensmittelsysteme zu transformieren.