COP17: EU will mehr Tempo beim Biodiversitätsschutz – doch die Finanzierung bleibt offen
Die EU hat ihre Verhandlungsposition für die UN-Biodiversitätskonferenz COP17 beschlossen. Vom 19. bis 31. Oktober steht im armenischen Jerewan die Halbzeitbilanz der 2022 vereinbarten globalen Biodiversitätsziele an. Der internationale Bericht zeichnet ein ernüchterndes Bild: Ohne eine deutliche Beschleunigung der Maßnahmen wird die Weltgemeinschaft voraussichtlich keines der 23 Ziele bis zum Jahr 2030 erreichen.
Stärkere Einbeziehung des Naturschutzes in alle Politikbereiche gefordert
Die EU will auf der Konferenz die Umsetzung bestehender Verpflichtungen vorantreiben, den Naturschutz stärker in alle Politikbereiche integrieren und zusätzliche öffentliche wie private Finanzmittel mobilisieren. Besonders beim Schutz der Meere besteht Nachholbedarf. Auch der Abbau biodiversitätsschädlicher Subventionen steht auf der Agenda. Kritisch sehen Umweltverbände jedoch, dass die EU verstärkt auf private Investitionen und marktbasierte Instrumente wie Naturzertifikate setzt, während konkrete Zusagen zur öffentlichen Finanzierung fehlen.
Das European Environmental Bureau (EEB) warnt zugleich vor drastischen Kürzungen im nächsten EU-Langzeithaushalt 2028–2034. Schon heute fehlen nach Angaben des EEB jährlich mehr als 18 Milliarden Euro für die Umsetzung der Umweltziele. Gleichzeitig fließen weiterhin Milliardenbeträge in natur- und umweltschädliche Aktivitäten. Zusätzliche Kürzungen bei Umwelt- und Naturschutzmitteln würden diese Finanzierungslücke vergrößern und die Glaubwürdigkeit der europäischen Verhandlungsposition schwächen.
Zivilgesellschaft fordert Finanzierung und Wiederherstellung der Ökosysteme
Auch die Zivilgesellschaft erhöht den Druck: Ein Bündnis von Umweltorganisationen fordert verlässliche Finanzierung, eine rechtebasierte Umsetzung sowie verbindlichen Schutz und die Wiederherstellung von Ökosystemen. Die Vorkonferenz in Berlin machte deutlich, dass zwar Fortschritte erzielt wurden, diese aber bei Weitem nicht ausreichen. COP17 wird damit zum entscheidenden Realitätscheck: Ob die internationalen Zusagen bis 2030 Wirkung entfalten, hängt maßgeblich davon ab, ob politische Ambitionen in konkrete Maßnahmen und ausreichend finanzierte Naturschutzpolitik übersetzt werden. (Quelle: DNR)
EU-Rat, Pressemitteilung, 12.10.2026