Der CO₂-Preis der EU auf Importe stärkt die Klimapolitik weltweit

Wer CO₂-intensive Produkte in die EU liefert, muss Klimazoll zahlen – sofern nicht das eigene Land ein Bepreisungssystem hat. Laut einer Studie könnte dies Handelspartner der EU dazu bringen, ebenfalls CO₂ zu bepreisen. Kanada, Japan, Taiwan und Südkorea gelten als wahrscheinliche Kandidaten, dadurch würden 73 Prozent mehr CO₂-Ausstoß vermieden werden, als wenn allein die EU ihre Klimapolitik umsetzt. Die im Peer-Review-Verfahren von externen Fachleuten geprüfte Arbeit ist auf der Webseite des Journal of the Association of Environmental and Resource Economists (JAERE) einsehbar und wird im November 2026 in der Print-Ausgabe veröffentlicht. Die Federführung lag beim Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).

Die Untersuchung stützt sich auf ein eigens entwickeltes ökonomisches Modell, das zwei Forschungsstränge verbindet: die Handelsökonomie und die Spieltheorie. Je nach ihren wirtschaftlichen Interessen entscheiden Handelspartner, ob sie den Klimazoll in die EU-Kasse zahlen – oder einen eigenen CO₂-Preis einführen und sich damit einer „Klima-Koalition“ anschließen, wie es in der Studie genannt wird. Auf Basis detaillierter Handelssimulationen werden diese Entscheidungen ermittelt. Sie hängen vom Niveau des CO₂-Preises, der genauen Ausgestaltung des CBAM sowie davon, welche Länder bereits Teil der Koalition sind ab.

Der über CBAM erhobene CO₂-Preis auf Importe gilt aktuell für Stahl, Eisen, Aluminium, Zement, Düngemittel, Elektrizität und Wasserstoff. Um seine Anreizwirkung für internationale Klima-Kooperation auszutesten, füttert das Forschungsteam das Rechentool mit empirischen Daten zu Warenströmen für 56 Wirtschaftssektoren und 43 Länder. Mit Hilfe dieses Zahlenwerks rechnet das Team die EU-Klimapolitik beispielhaft für einen CO₂-Preis von 100 Dollar je Tonne durch. 

Modellanalyse zeigt folgende Folgewirkungen

Ohne Grenzausgleich lässt Europas CO₂-Preis die heimischen Emissionen um 505 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr niedriger ausfallen. Die globalen Emissionen liegen aber nur 305 Millionen Tonnen niedriger, weil andere Länder mehr energieintensive Produkte zuliefern und zudem, wegen Europas Rückzug aus fossilen Energien, von niedrigeren Weltmarktpreisen profitieren. Der EU-Klimaschutz weist daher eine massive Lücke auf, bekannt als „Carbon Leakage“, die 40 Prozent des Emissionsrückgangs in Europa zunichtemacht.

Mit dem Grenzausgleich ist der Carbon-Leakage-Effekt deutlich geringer – nur noch 15 Prozent statt 40 Prozent. Die globalen Emissionen werden um 399 Millionen Tonnen reduziert.

Mit Politik-Reaktion der Handelspartner liegt die globale Emissionssenkung bei 691 Millionen Tonnen CO₂ – noch mal 73 Prozent mehr als infolge der EU-Klimapolitik für sich genommen. Vier Länder, nämlich Kanada, Japan, Südkorea und Taiwan, vermeiden die Mehrbelastung durch CBAM durch eigene CO₂-Bepreisung, schließen sich also der Klima-Koalition an.

Zusätzliche Modelldurchläufe zeigen, dass Erweiterungen des CO₂-Grenzausgleichmechanismus auf andere Sektoren es noch für weitere Länder attraktiv machen könnten, der Klima-Koalition beizutreten, sogar für die USA. Hingegen würde China derzeit nur teilnehmen, wenn der CO₂-Preis unter 20 Dollar je Tonne läge. Zwar hängen die exakten quantitativen Ergebnisse der Studie an den jeweiligen Modellannahmen – doch das zentrale Resultat, dass der CBAM der EU die Einführung einer CO₂-Bepreisung in anderen Ländern vorantreibt, gilt in einem breiten Spektrum von Modellannahmen.

The University of Chicago Press Journal