Der hohe Preis für billiges Fleisch

Nachhaltigkeit & Wirtschaft (Greenjobs)

Die zügellose Tierhaltung unter Fabrikbedingungen trägt zum Klimawandel und der Verletzung der Menschenrechte bei – und dies alles, um den ungesunden Appetit der westlichen Gesellschaften auf billiges Fleisch zu befriedigen.

Christine Chemnitz, die die Abteilung International Agricultural Politics bei der Heinrich Böll Stiftung leitet, und Shefali Sharma, Director of Agricultural Commodities and Globalization at the Institute for Agriculture and Trade Policy, schreiben in ihrem Artikel „The High Cost of Cheap Meat“ über die Folgen der Massentierhaltung. Der Artikel wurde von der Heinrich Böll Stiftung ins Deutsche übersetzt und auf den Volltext kann gratis zugegriffen werden.

Der Fleischkonsum im Europa und in den USA lag im 20. Jahrhundert bei 60-90 Kilogramm Fleisch pro Person und Jahr. Inzwischen nähert sich der Fleischkonsum der Mittelklasse in Schwellenländern wie zum Beispiel Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika diesen Zahlen an. „Um diesen Bedarf zu befriedigen, werden die Agrarunternehmen in aller Welt versuchen, ihre Fleischproduktion von heute 300 Millionen Tonnen auf 480 Millionen Tonnen im Jahr 2050 zu steigern“, schreiben die Journalistinnen.

„Dies führt auf so gut wie jeder Stufe der Wertschöpfungskette (Futtermittel, Produktion, Verarbeitung und Verkauf) zu ernsthaften sozialen und ökologischen Problemen. Ein Hauptproblem der fabrikmäßigen Tierhaltung ist, dass sie massive Emissionen von Treibhausgasen zur Folge hat – und dies nicht nur, weil das Verdauungssystem wiederkäuender Tiere Methan produziert. Mist und Gülle der Tiere erzeugen ebenso wie die Dünger und Pestizide, die zur Futtermittelproduktion eingesetzt werden, große Mengen von Stickoxiden.“

Außerdem würde das System der Fleischfabriken zu einschneidenden Veränderungen bei der Landnutzung und zu Entwaldung führen. Bereits ein Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche würde für die Produktion von Tierfutter verwendet werden.

Bei der Massentierhaltung würden auch die ArbeiterInnen ausgebeutet werden, kritisieren Chemnitz und Sharma, und die öffentliche Gesundheit würde unter dem hohen Fleischkonsum leiden. „Dazu kommen noch die schrecklichen Bedingungen, unter denen die Tiere selbst leiden, da sich die Industrie gegen vernünftige Tierschutzstandards sperrt. Alles in allem fragt man sich, wie es überhaupt möglich ist, dass diese Industrie so groß werden konnte. Der Grund dafür liegt in ihrer oligopolistischen Macht, die es industriellen Tierproduzenten ermöglicht, ihre wahren Umwelt- und Sozialkosten zu externalisieren und auf Arbeiter und Steuerzahler abzuwälzen“, kritisieren die Journalistinnen, die sich unter anderem für ein Importverbot von genetisch veränderten Futtermitteln aussprechen und gegen die unnötige Verwendung von Antibiotika in Tränk- und Fütterungssystemen.

Heinrich Böll Stiftung: Der hohe Preis für Billiges Fleisch
Project Syndicate: The High Cost of Cheap Meat
Friends of the Earth Europe: Meat Atlas