Die Alpen an den Grenzen ihrer Belastbarkeit

Wenn wir unseren Umgang mit den Bergen nicht bald ändern, verlieren wir unseren wichtigsten Lebensraum, so Matthias Schickhofer. Der Autor, Naturfotograf und Umweltaktivist präsentierte am Montag in den Räumen des Alpenvereins sein neues Buch „Schwarzbuch Alpen – Warum wir unsere Berge retten müssen“.

Er beschreibt darin, wie die Schönheit der Alpen letztendlich zu ihrem Problem wurde. Durch die Anziehungskraft der stark bewohnten Gebirgskette wurde diese immer mehr zu einer „Sport- und Spaßkulisse“ des Massentourismus. Vor allem die Attraktivität des Skisports und das Verlangen nach immer größeren und weitläufigeren Skigebieten zerstört weiterhin naturnahe und wunderschöne Landschaften. Kaum ein Skigebiet kommt noch ohne künstliche Beschneiung aus. Die dadurch länger bestehende Schneedecke verdichtet den Boden und erhöht die Keimbelastung des Bodens, ganz abgesehen vom riesigen Energie- und Wasserverbrauch der Schneeproduktion. Dass damit außerdem steigende Durchschnittstemperaturen und noch weniger Schneesicherheit mitproduziert werden, zeigt den Teufelskreis, in dem viele Bergregionen stecken.

In Folge des Klimawandels tauen Permafrostböden auf, wodurch ganze Felshänge drohen abzustürzen. Prognosen gehen davon aus, dass 2050 nur noch die Hälfte der 5000 Alpengletscher übrig sind, die eine wichtige Funktion als Wasserspeicher erfüllen.

Matthias Schickhofer plädiert für einen „sanften Tourismus“: „Das Kapital wird eine intakte alpine Landschaft sein und nicht noch mehr verkabelte Pisten-Hänge oder Staumauern“. Erste Vorzeigemodelle eines nachhaltigen Tourismus wie die „Bergsteigerdörfer“ gibt es bereits und es bleibt zu hoffen, dass weitere Regionen die Dringlichkeit einer neuen Ausrichtung des Tourismus folgen.

 

Die Presse: Überlastet, zersiedelt, verbaut: Grenzen des Booms in den Bergen