Die Gentech-Falle: Verbot von Gentech-Pflanzen in einzelnen Mitgliedstaaten als Schleichweg zu mehr Anbau

Landwirtschaft, Gentechnik & Tierschutz

Die EU-Staaten sollen den Anbau von Gentech-Pflanzen auf ihrem Gebiet verbieten können, schlägt die EU-Kommission vor. Das klingt gut, aber Kritiker vermuten dahinter eine Falle, schreibt Stephan Börnecke in seinem Artikel für das Konsumentenmagazin „Schrot & Korn“.

Schon 2010 unterbreitete EU-Kommissionspräsident Barroso den Plan, die Entscheidung über den Anbau einzelner Gentech-Pflanzen den EU-Mitgliedsstaaten zu überlassen. Doch das eigentliche Ziel Barrosos sehe anders aus: er beabsichtige, die seit Jahrzehnten anhaltende Blockade der Mitgliedsstaaten bei der Anbauzulassung neuer Pflanzen zu brechen – und in Wirklichkeit mehr Gentechnik auf die Äcker zu bringen als bisher, zitiert Börnecke die Gentechnik-Expertin des „Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland“ (BUND), Heike Moldenhauer.

„In dem jetzt vorliegenden Vorschlag, über den die EU-Umweltminister Mitte Juni befinden werden, stecke eine „Falle“, kritisiert Moldenhauer. Denn die Staaten müssten zunächst auf EU-Ebene dem Anbau einer Gentech-Pflanze zustimmen, um sie anschließend national verbieten zu können. Die EU werfe den gentechnik-kritischen Ländern damit zwar „einen Happen hin. Sie opfern dafür aber die Gentechnik-Freiheit Europas.“

Zwar sind Europas Äcker nicht frei von Gentechnik, doch wurde aufgrund der Uneinigkeit der EU-Staaten seit 1996 nicht einmal eine Handvoll Gentech-Saaten genehmigt, ihr Anbau ist marginal, unter 0,1 Prozent der EU-Ackerfläche. Dutzende aber standen und 13 stehen für den Anbau auf der Warteliste“, schreibt Börnecke.

Zudem sei das Verbot einer einzelnen Pflanze durch einen Mitgliedstaat an Hürden geknüpft: „Die Staaten sollen aktiv auf den Hersteller zugehen, um für das beabsichtigte Verbot sein Einverständnis einzuholen. Interveniert der Konzern, müssen die Staaten ihre Haltung etwa mit umweltpolitischen Zielen rechtfertigen. Doch damit, ahnt Moldenhauer, werden die Länder sich schwertun, weil die Saaten die Umweltprüfung der europäischen Lebensmittelbehörde EFSA erfolgreich passiert haben.“

Schrot & Korn: Die Gentech-Falle