Die Helfer der Atomindustrie

Klima & Energie

Am 23. und 24. September fand in Berlin die Konferenz „Raus aus Euratom“ statt.

Zum Auftakt der Konferenz „Raus aus Euratom“, die letztes Wochenende in Berlin stattfand, diskutierten WissenschafterInnen und PolitikerInnen über den Stand der Atomindustrie und die im Hintergrund agierenden „Helfer der Atomindustrie“.

Die Atomindustrie befinde sich „in einer schweren Krise“, berichtete der Wissenschaftler Lutz Mez vom Forschungszentrum für Umweltpolitik an der Freien Universität Berlin. In Europa würden heute 134 Reaktorblöcke betrieben, das sei rund ein Viertel weniger als 1989. Die Finanzierung neuer Kraftwerke wird immer mehr zum Problem, vor allem vielen Privatbanken sei das Risiko zu hoch, bestätigte Regine Richter von der Umweltschutzorganisation „Urgewalt“.

Die WissenschafterInnen und UmweltschützerInnen warnen allerdings vor den „stillen und wenig bekannten Helfern der Atomindustrie“. Die Europäische Investitionsbank (EIB) würde jährlich Kredite von insgesamt 70 Milliarden Euro vergeben; die EIB hätte laut Angaben von Regine Richter rund 6,6 Milliarden Euro an die Atomindustrie verliehen. Diese berät auch die Europäische Atomgemeinschaft, die seit 1994 Kredite für Atomkraftwerke in Nicht-EU-Staaten vergibt.

Die Europäische Atomgemeinschaft finanziert weiters die Atomforschung, im letzten Forschungsprogramm sollen laut Angaben von Lutz Mez 1,3 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt worden sein. Im der aktuellen Forschungsperiode von 2007 bis 2011 seien aber bereits mehr als doppelt so viele Gelder - rund 2,75 Milliarden Euro - zur Verfügung gestellt worden.

Auch Österreichs Mitgliedschaft in der Europäischen Atomgemeinsaft wurde kritisiert. Als EU-Mitglied muss das Land die Atomforschung anderer EU-Länder mitfinanzieren und Kredite für Atomkraftprojekte gewähren, obwohl es in Österreich kein einziges Atomkraftwerk gibt. Die Aktivitäten der österreichischen Umweltschutzorganisationen gegen die Atomlobby wurden gewürdigt, Österreichs Mitgliedschaft bei Euratom wurde aber kritisiert: „Man will EU-Musterschüler sein. Brav sein, nett, charmant. Bloß nicht zu viel Wind machen“, beschreibt Roland Eggers von der Organisation „Atomstopp Oberösterreich“ die „lasche Positionierung“ der Regierung.

Klimaretter: Die Helfer der Atomindustrie
Konferenz „Raus aus Euratom“