DNR: EU-Tierhaltungsstrategie zementiert Umweltbelastung

Eine Einordnung von Cäcilia Hagenow, Deutscher Naturschutzring (DNR): Ein aus Tierschutzsicht zentraler Punkt der Tierhaltungsstrategie ist die schon seit langem versprochene Überarbeitung der Tierschutzgesetzgebung auf EU-Ebene. Als Reaktion auf die Europäische Bürgerinitiative „End the Cage Age“ mit mehr als 1,4 Millionen Unterstützer:innen, die ein Ende der Käfighaltung fordert, hatte die Kommission bereits 2021 angekündigt, die Käfighaltung zu beenden. Dafür sollte eigentlich bereits 2023 ein Vorschlag zur Überarbeitung der EU-Tierschutzgesetzgebung vorgelegt werden. Die Tierhaltungsstrategie greift diese Ankündigung jetzt wieder auf und kündigt an, Ende 2026 konkrete Gesetzesvorschläge für Legehennen und Masthühner vorzulegen. Ein Vorschlag zu Schweinen soll zum zweiten Quartal 2027 folgen. Auch das Ende des sogenannten Kükentötens wird in Aussicht gestellt. Außerdem sollen Kennzeichnungsvorschriften für Eier aktualisiert und Transport- und Exportvorschriftenen für Schlachttiere überarbeitet werden.

Effizienz statt grundlegendem Umbau und Emissionsreduktion

Die Strategie stellt vor allem die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit der Tierhaltung in den Mittelpunkt. Ein grundlegender Ab- und Umbau der industriellen Tierhaltung spielt in der Strategie hingegen keine Rolle. Beim Umwelt- und Klimaschutz verfolgt die Strategie vor allem einen Effizienzansatz. Anstatt den Umfang der Tierhaltung grundsätzlich zu hinterfragen, setzt die Kommission auf ein optimiertes Nährstoffmanagement sowie technische Innovationen etwa bei Tierzucht, Fütterung und Güllemanagement. Verbindliche Ziele zur Reduktion der Emissionen – unter anderem für das klimaschädliche Methan – enthält die Strategie hingegen nicht. Angesichts der Herausforderungen, vor denen die Tierhaltung steht, reicht dieser Ansatz jedoch nicht aus. Noch immer leiden Millionen von Tieren unter nicht artgerechten Haltungsbedingungen. Gleichzeitig trägt die Tierhaltung erheblich zur Klimakrise bei und belastet Natur und Umwelt. Eine zukunftsfähige Tierhaltungsstrategie müsste deshalb den Weg für eine nachhaltige und tierschutzgerechte Transformation aufzeigen und diesen dann politisch wie finanziell absichern. Technologische Maßnahmen allein werden den notwendigen Wandel nicht herbeiführen können. Dafür braucht es einen grundlegenden Ab- und Umbau der Tierhaltung in Kombination mit Maßnahmen, die konsumseitig wirken: Weniger, dafür besser gehaltene Tiere sowie Ernährungsumgebungen, die eine stärker pflanzenbasierte Ernährung fördern, sind dafür zentrale Bausteine.

Wenig zukunftsfähige „Verteidigung eines zerstörerischen Status quo“

Insgesamt beschreibt die EU-Kommission in der Strategie vor allem, wie die bestehende Tierhaltung effizienter werden soll, nicht aber wie sie tatsächlich zukunftsfähig werden kann. Entsprechend kritisch fallen auch die Reaktionen zahlreicher Verbände aus. Das Europäische Umweltbüro (EEB) erklärt: „Die Kommission hat ein Flickwerk aus vagen Zielvorstellungen, schwammiger Sprache und den Narrativen der Fleisch- und Milchindustrie vorgelegt – mit nur wenigen konkreten Maßnahmen, die Landwirtinnen und Landwirten dabei helfen, den ohnehin bereits begonnenen und unvermeidlichen Wandel zu bewältigen.“ Angesichts der ökologischen und wirtschaftlichen Krisen lese sich die Strategie „weniger wie ein glaubwürdiger Fahrplan für die Zukunft als vielmehr wie die Verteidigung eines zerstörerischen Status quo“.

Auch der Deutsche Tierschutzbund kritisiert die Strategie deutlich: „Mit dieser Strategie zementiert die Europäische Kommission ein System der Tierhaltung, das erhebliches Tierleid verursacht und zugleich Klima, Umwelt und Ressourcen belastet“, sagt Jürgen Plinz, Präsidiumsmitglied des Deutschen Tierschutzbundes und Board Member des europäischen Tierschutzdachverbands Eurogroup for Animals. „Wer Europas Landwirtschaft zukunftsfähig machen will, muss den Mut haben, den Umfang der Tierhaltung zu reduzieren und pflanzliche Proteine deutlich stärker zu fördern. Diese Chance lässt die Kommission ungenutzt.“

Die Albert Schweitzer Stiftung verweist vor allem auf die Notwendigkeit der Umsetzung der angekündigten Maßnahmen: „Entscheidend ist nun, dass die angekündigten Reformen nicht bei strategischen Aussagen stehen bleiben, sondern in verbindliche Rechtsvorschläge übersetzt werden. Die Zukunft der europäischen Tierhaltung braucht Planungssicherheit – für Betriebe ebenso wie für den Tierschutz.”

EU-Tierhaltungsstrategie zementiert Umweltbelastung