DUH: Nord-Stream-Lecks schädigen Klima

Berechnungen der Deutschen Umwelt Hilfe (DUH) zufolge könnten bis zu 350.000 Tonnen Methan, das entspricht 28,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten, aus den Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee austreten. Zudem wirke sich das austretende Gas auf das Klima aus, warnt die DUH gemeinsam mit dem Umweltbundesamt (UBA).

An drei Stellen der Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee waren Anfang vergangener Woche Schäden entdeckt worden, die vermutlich Folgen eines Sabotageaktes sind. Die Europäische Union forderte Untersuchungen und kündigte Sanktionen gegen die Verantwortlichen an. Bislang ist noch unklar, wer für die Lecks verantwortlich ist.

Die DUH bezog sich bei ihren Berechnungen auf Daten der Nord Stream 2 AG, nach welchen die Pipelinestränge zum Zeitpunkt des Gasaustritts mit jeweils 177 Millionen Kubikmeter Gas gefüllt waren. Ein Teil des Methans könnte sich auch im Seewasser auflösen, wobei der Umfang laut DUH noch unklar sei. Methan gilt über einen Zeitraum von 20 Jahren als 80 Mal so klimaschädlich wie Kohlenstoffdioxid.

DUH: Lecks seien „Superemitter-Event“

Die Lecks seien „ein Superemitter-Event von unvorstellbarem Ausmaß”, erklärt DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner. Das verbleibende Gas müsse sofort aus allen Pipeline-Strängen abgepumpt werden, forderte die DUH die Betreiber der Nord Stream-Pipelines und die deutschen Aufsichtsbehörden auf.

Laut Umweltbundesamt (UBA) könnte der Gasaustritt einem Prozent der deutschen Jahres-Gesamtemission entsprechen. Zumal es keine Möglichkeiten gebe, die Leckagen zu schließen, rechnet das UBA damit, dass das gesamte sich in den Pipelines befindende Gas austritt.

Neben den direkten Auswirkungen auf das Klima stellt sich auch die Frage, welchem Land die Emissionen angerechnet werden. Nach Angaben des UBA ist es entscheidend, in welchem Hoheitsgebiet die Lecks genau liegen. Liegen die Lecks etwa auf dänischem Hoheitsgebiet, so müsse Dänemark die Emissionen in ihre Klimaberichterstattung aufnehmen, heißt es in der Pressemitteilung. Lägen die Lecks allerdings in internationalen Gewässern, würden die Emissionen in keiner Emissionsberichterstattung erfasst, wären jedoch genauso klimaschädlich, kritisiert das UBA.


Tagesschau: EU fordert Untersuchungen mutmaßlicher Sabotage

DUH: Pressemitteilung

Umweltbundesamt: Pressemitteilung

DNR: Lecks in Nordstream 1 und 2: Folgeschäden für das Klima