EEA: Schadstoffbelastung verursacht 10 % aller Krebsfälle in Europa

Wie ein Anfang Juli veröffentlichter Bericht der Europäischen Umweltagentur (EEA) zeigt, verursacht die Belastung durch Luftverschmutzung, Passivrauchen, Radon, ultraviolette Strahlung, Asbest, bestimmte Chemikalien und andere Schadstoffe mehr als 10 % aller Krebsfälle in Europa.

Mit jährlich fast 3Millionen neuen Patienten und 1,3Millionen Todesfällen in der Europäischen Union hat Krebs schwerwiegende Folgen für unsere Gesellschaft, betont die EEA in ihrem Online-Bericht „Beating cancer — the role of Europes environment“. Die wirtschaftlichen Kosten werden allein für das Jahr 2018 auf etwa 178Milliarden Euro geschätzt.

Laut der EEA-Studie können die meisten dieser umwelt- und arbeitsbedingtenKrebsrisikendurch die Vermeidung von Verschmutzung und veränderte Verhaltensweisen gesenkt werden. „Das Reduzieren der Belastung durch solche Risiken ist eine wirksame und kostengünstige Methode, um einen Rückgang der Krebserkrankungen und der damit verbundenen Todesfälle zu erreichen“, so die EEA.

„Der Bericht der EEA zeigt, dass umweltbedingte Ursachen an der Entstehung von zu vielen Krebsfällen beteiligt sind. Die gute Nachricht ist, dass wir jetzt handeln können, um die Verschmutzung zu senken und Todesfälle zu verhindern“, erklärt Virginijus Sinkevičius, EU-Kommissar für Umwelt, Meere und Fischerei. „Mit dem Null-Schadstoff-Ziel des europäischen Grünen Deals können wir die Schadstoffbelastung senken und damit dem Krebs kosteneffizient vorbeugen. Was gut für die Umwelt ist, ist auch gut für uns“, Sinkevičius.

Umweltbedingte Risiken

Luftverschmutzung(sowohl innerhalb von Gebäuden als auch im Freien) ist an etwa 1% aller Krebsfälle in Europa beteiligt und verursacht etwa 2% aller Todesfälle durch Krebs und 9% aller Todesfälle durch Lungenkrebs. Aktuelle Studien zeigen Zusammenhänge zwischen der langfristigen Belastung durch Feinstaub, einem wichtigen Luftschadstoff, und Leukämie bei Erwachsenen und Kindern.

Radon und ultraviolette Strahlungtragen ebenfalls zur hohen Zahl von Krebsfällen in Europa bei. Die Radonexposition innerhalb von Gebäuden wird mit bis zu 2% aller Krebsfälle und einem von zehn Lungenkrebsfällen in Europa in Verbindung gebracht.

Die Belastung durch Tabakrauch in der Umgebungsluftkann bei nicht bzw. passiv rauchenden Menschen das Gesamtrisiko für Krebserkrankungen um bis zu 16% erhöhen. Rund 31% der Europäer:innen sind zu Hause, bei der Arbeit, bei Freizeitaktivitäten, in Bildungseinrichtungen oder im öffentlichen Umfeld Tabakrauch in der Umgebungsluft ausgesetzt.

Auch bestimmte Chemikalien, welche in europäischen Arbeitsstätten verwendet und in die Umwelt abgegeben werden, tragen zur Entstehung von Krebs bei. Zu diesen Substanzen wie Blei, Arsen, Chrom, Cadmium, Acrylamid, Pestizide, BisphenolA und per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) können in verschiedenen Organen Krebs verursachen.

Schließlich sind sämtliche Formen vonAsbestals karzinogene Stoffe bekannt, die Mesotheliom und Lungenkrebs sowie Kehlkopf- und Eierstockkrebs hervorrufen können. Zwar hat die EU bereits 2005 Asbest verboten, doch es ist in Gebäuden und Infrastrukturbauten weiterhin vorhanden und belastet an Renovierungs- und Abbrucharbeiten mitwirkende Menschen. Außerdem kann auch viele Jahre nach der Belastung noch Krebs entstehen, sodass Asbest Schätzungen zufolge 55 bis 88% der arbeitsbedingten Lungenkrebsfälle verursacht.

EU-Aktion gegen Krebs und Verschmutzung 

Mit Europas Plan gegen den Krebs  soll die Rolle von umwelt- und arbeitsbedingten Risiken bei der Entstehung von Krebs und die Möglichkeiten zur Rettung von Leben durch wirksame Präventionsstrategien berücksichtigt werden. Darüber hinaus zielt derNull-Schadstoff-Aktionsplan  darauf ab, die Luft- und Wasserverschmutzung zu reduzieren, um die Belastung der Menschen durch Umweltschadstoffe und deren gesundheitlichen Auswirkungen zu senken. Dazu gehört auch das Risiko von umwelt- und arbeitsbedingten Krebserkrankungen.


EEA: Schadstoffbelastung verursacht 10 % aller Krebsfälle in Europa