EFSA hält Glyphosat-Studien der Industrie weiter geheim
Landwirtschaft, Gentechnik & Tierschutz
Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA will drei Industriestudien zur krebserregenden Wirkung von Glyphosat weiter unter Verschluss halten, berichtet die Internetplattform „Genfood? Nein Danke!“.„Mit diesen drei Studien erklärt die Behörde, warum sie anders als die Krebsexperten der Weltgesundheitsorganisation (IARC) Glyphosat für unbedenklich hält. Die Organisation Corporate Europe Observatory (CEO) hatte im Dezember 2015 deren Veröffentlichung beantragt. Nun teilte die EFSA mit, dass die Eigentümer der Studien – allesamt Glyphosat herstellende Firmen – eine Veröffentlichung widersprochen hätten. Dadurch würden Geschäftsgeheimnisse offengelegt und geistige Eigentumsrechte verletzt, wodurch den Unternehmen Schaden entstünde, hieß es zu Begründung. Zwar muss die EFSA bei solchen Anfragen auf Veröffentlichung die betroffenen Unternehmen fragen. Sie ist jedoch an deren Stellungnahme nicht gebunden“ informiert „Genfood? Nein Danke!“.
„Deshalb schreibt die EFSA eigens, man habe die Argumente der Unternehmen vernommen und die Studien daraufhin genau betrachtet. Zusätzlich habe man die gegensätzlichen Interessen abgewogen und festgestellt, dass es kein überwiegendes öffentliches Interesse an einer Veröffentlichung der Studien gebe. Schließlich habe die EFSA ja eine ausführliche Dokumentensammlung zu ihrer Risikoabschätzung veröffentlicht. Darin seien auch die Ergebnisse der angefragten Studien zusammengefasst.“
„In einer ausführlichen Stellungnahme weist das Corporate Europe Observatory (CEO) unter anderem darauf hin, dass der Patentschutz für Glyphosat seit 15 Jahren abgelaufen ist und die meisten großen Hersteller Mitglied in der von Monsanto angeführten Glyphosate Task Force seien“, berichtet „Genfood? Nein Danke!“. Diese Gruppe hätte laut Angaben des Corporate Europe Observatory alle Studien zusammengestellt und gebündelt an die EFSA gesendet. Das CEO erinnert daran, „dass der Europäische Gerichtshof bereits im Oktober 2013 Greenpeace Niederland und dem Pestizid Aktionsnetzwerk PAN Recht gegeben. Er verdonnerte die EFSA dazu, den beiden Organisationen Einblick in Unterlagen über die Erstgenehmigung von Glyphosat zu geben. Doch die Europäische Kommission legte Berufung ein, unterstützt von den Lobbyverbänden der Pestizidhersteller.“
Genfood? Nein Danke!: EFSA hält Glyphosat-Studien der Industrie weiter geheim