Energiekrise durch Irankrieg: Europa muss unabhängiger werden
Der Krieg im Iran und die Störungen in der Straße von Hormus machen deutlich, wie riskant Europas Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten bleibt. Zwar ist Asien von den direkten Ausfällen besonders stark betroffen, doch auch in Europa steigen der wirtschaftliche Druck, die Unsicherheit auf den Energiemärkten und die Sorge vor neuen Preissteigerungen. Gerade für die EU ist das ein Warnsignal: Noch immer fließen jedes Jahr enorme Summen in fossile Energieimporte statt in eine krisenfestere, heimische Energieversorgung.
Dabei zeigt sich immer klarer, dass Länder mit einem höheren Anteil erneuerbarer Energien besser durch solche Schocks kommen. Sonne und Wind müssen nicht importiert werden, sie entziehen sich geopolitischen Engpässen und dämpfen die Folgen internationaler Krisen. Da erneuerbare Energien inzwischen in vielen Fällen günstiger sind als fossile Alternativen, geht es längst nicht mehr nur um Klimaschutz, sondern auch um wirtschaftliche und strategische Stabilität.
Europa hat aus früheren Krisen jedoch nur teilweise die richtigen Schlüsse gezogen. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine wurde zwar versucht, Abhängigkeiten zu reduzieren, vielerorts stand aber vor allem die Suche nach neuen fossilen Lieferanten im Vordergrund. Der schnelle Ausbau von LNG-Infrastruktur (Liquefied Natural Gas) zeigt, wie stark kurzfristige Versorgungssicherung noch immer über langfristige Transformation gestellt wurde. Damit droht Europa, alte Abhängigkeiten lediglich zu verlagern, statt sie wirklich zu überwinden.
Die aktuelle Krise unterstreicht deshalb, dass Europas Energiepolitik grundsätzlicher neu ausgerichtet werden muss. Wer Versorgungssicherheit ernst nimmt, muss den Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigen, Netze und Speicher stärken und den Energieverbrauch konsequent senken. Erst eine stärker heimische, saubere und effizient organisierte Energieversorgung kann Europa widerstandsfähiger gegen geopolitische Krisen machen.