Erneuerbare Energien in der EU überholen Kohle und Gas

28. Jan 21

Demnach sank der Anteil fossiler Brennstoffe am Strommix auf 37 Prozent, während die verbleibenden 25 Prozent auf Atomkraft entfielen, wie die am Montag dieser Woche veröffentlichte Studie der Think-Tanks Ember Climate und Agora Energiewende zeigt. Wind- und Solarenergie steigerten deutlich ihre Kapazitäten im Jahr 2020 und produzierten 14 bzw. fünf Prozent des gesamten EU-Stroms. Der restliche Anteil der erneuerbaren Energien (19 Prozent am Gesamtstrom) wurde hauptsächlich durch Wasserkraft und Bioenergie geliefert, wobei bei beiden Energiequellen aktuell kaum Wachstum mehr zu verzeichnen ist.

„Zu Beginn eines Jahrzehnts vieler globaler Klimaschutzmaßnahmen ist es erfreulich, dass Europa diesen Wendepunkt bei der grünen Stromerzeugung bereits erreicht hat. Das rasante Wachstum von Wind- und Solarenergie hat zum Niedergang der Kohle beigetragen. Aber das ist erst der Anfang,“ sagt Dave Jones von Ember Climate. „Europa setzt auf Wind und Solar, um nicht nur den Ausstieg aus der Kohle bis 2030 sicherzustellen, sondern auch um die Gaserzeugung zu verdrängen, die stillgelegten Kernkraftwerke zu ersetzen und den steigenden Strombedarf durch Elektroautos und Wärmepumpen zu decken.“

Die EU hat sich das verbindliche Ziel gesetzt, bis 2030 den Anteil der erneuerbaren Energien von derzeit knapp 20 Prozent auf 32 Prozent des gesamten Energiemixes zu erhöhen. Um die aktualisierten Klimaziele der EU für 2030 zu erreichen, müsste dieser Anteil jedoch noch weiter auf 38 bis 40 Prozent erhöht werden, so die Europäische Kommission.

Wind- und Solarenergie müssen stärker wachsen

Im Jahr 2020 stieg die Kapazität von Wind- und Solarenergie um 51 Terawattstunden, allerdings wäre, wie die Studie zeigt, zur Erreichung der EU-Klimaziele eine jährliche Steigerung um 100 TWh erforderlich wäre. Im vergangenen Jahr haben die EU-Länder ihre Pläne für die verstärkte Produktion von Strom aus erneuerbaren Energien vorgelegt. Doch auch diese sehen derzeit einen Zuwachs von lediglich 72 TWh pro Jahr vor.

Überdies gibt es weiterhin große Unterschiede zwischen den EU-Mitgliedsstaaten. Während Dänemark im vergangenen Jahr zwar 62 Prozent seines Stroms aus Wind- und Solarenergie erzeugte – doppelt so viel wie das zweitplatzierte Irland -, ist sein Markt mit 18 TWh in absoluten Zahlen relativ klein. Sieben Länder haben seit 2015 kaum Wachstum bei Solar und Wind verzeichnet – Portugal, Rumänien, Österreich, Italien, Tschechien, die Slowakei und Bulgarien, so Ember.

Wohl aufgrund der EU-weit durchgeführten Lockdown-Maßnahmen ist die Stromnachfrage 2020 um vier Prozent gesunken. Somit gab es einen deutlichen Rückgang im Vergleich zu den Vorjahren. Fossile Brennstoffe erholten sich später im Jahr, zugleich gab es einen Rückgang der Stromerzeugung aus Atomenergie, die mit einem Rückgang der Stromproduktion um zehn Prozent ihr historisch schlechtestes Jahr erlebte.

Stromerzeugung aus Kohle ging um 20 Prozent im Jahr 2020 zurück und halbierte sich somit gegenüber 2015. Gas hingegen fiel um lediglich vier Prozent, „unterstützt durch einen robust-stabilen CO2-Preis“, der Gas „zur billigsten Form der fossilen Stromerzeugung“ macht, so der Bericht.

Allerdings werde etwa die Hälfte des Rückgangs bei Kohle den erneuerbaren Energien zugeschrieben, während die andere Hälfte auf die sinkende Nachfrage aufgrund der Covid19-Krise zurückzuführen sei.

Portugal: Aus für Kohlekraftwerke bis Ende des Jahres

Wie auch vor kurzem bekannt geworden ist, will Portugal bis zum Jahresende seine noch in Betrieb befindlichen Kohlekraftwerke vom Netz nehmen und fortan gänzlich auf Erneuerbare Energie setzen. Bereits vor längerer Zeit hatte der portugiesische Energieversorger EDP bekannt gegeben, dass die Rahmenbedingungen für den Betrieb von Kohlekraftwerken - wie das extreme Wachstum erneuerbarer Energien auf der iberischen Halbinsel sowie die steigenden Kosten für CO2-Emissionen - immer schlechter werden und nicht mehr wirtschaftlich sind. Bereits im Oktober hatte der portugiesische Energieversorger EDP seine Umweltziele erhöht. Dabei wurden auch die C02-Emissionsziele adaptiert. EDP hat angekündigt, seine CO2-Emissionen bis 2030 um 90 Prozent (im Vergleich zu 2015) zu senken.

In Österreich ist das letzte Kohlekraftwerk, das von Verbund betriebene in Mellach bei Graz, bereits im vergangenen Jahr vom Netz genommen worden. Mittlerweile hat Österreich innerhalb der EU den höchsten Anteil Erneuerbarer Energien, während Polen noch das Land mit dem - in absoluten Zahlen - meisten Kohlestrom ist.


Euractiv

Der Standard

Energy Watch Group-Studie: Analyse der Förderbedingungen für den Ausbau der Erneuerbaren Energien