Etappensieg für Saatgutvielfalt – doch Patente bleiben die große Gefahr

Die Trilog-Verhandlungen zum neuen EU-Saatgutrecht sind abgeschlossen – und bringen aus Sicht von ARCHE NOAH einen wichtigen, wenn auch unvollständigen Erfolg für die Saatgutvielfalt. Der Versuch großer Agrochemie-Konzerne, eine unabhängige und vielfältige Saatgutproduktion weiter einzuschränken, konnte in zentralen Punkten abgewehrt werden. Künftig erhalten vielfältige und anpassungsfähige Sorten besseren Marktzugang: Beschränkungen für sogenannte Erhaltungssorten auf kleine Mengen und Ursprungsregionen werden gestrichen, vielfältige Neuzüchtungen erstmals ermöglicht.

Auch Hausgärtner profitieren von den neuen Regeln. Vielfalts-Saatgut kann künftig ohne aufwendige Prüfverfahren und industrielle Einheitsnormen direkt an private Gärtner verkauft werden. ARCHE NOAH wertet es zudem als Erfolg, dass diese Erleichterungen nicht auf Obst und Gemüse beschränkt bleiben, sondern auch für andere Kulturen wie Getreide relevant sind.

Deutliche Kritik übt ARCHE NOAH jedoch daran, dass die Rechte von Bäuer weiterhin nicht vollständig umgesetzt werden. Das völkerrechtlich verankerte Recht, eigenes Saat- und Pflanzgut weiterzugeben und zu verkaufen, bleibt in der EU eingeschränkt. Der Verkauf eigener Sorten bleibt Bäuer auch künftig verwehrt, die unentgeltliche Weitergabe wird durch Mengenbeschränkungen und geographische Grenzen begrenzt. Für Kulturen wie Mohn und Kartoffeln soll der Tausch sogar vollständig verboten bleiben.

Auch bei den bürokratischen Auflagen für Kleinstbetriebe sieht ARCHE NOAH weiterhin überzogene Hürden. Zudem wurden ökologische Verbesserungen im Laufe der Verhandlungen abgeschwächt: Neue Sorten werden weiterhin unter Einsatz von Pestiziden und synthetischen Düngemitteln getestet, statt unter Bio-Bedingungen. Für herbizidtolerante Sorten soll es statt verbindlicher Regeln lediglich optionale Vorgaben geben.

Wie viel Wirkung das neue Saatgutrecht tatsächlich für die Vielfalt entfalten kann, hängt nun wesentlich von der morgigen Abstimmung zur Neuen Gentechnik im Plenum des EU-Parlaments ab. ARCHE NOAH warnt, dass ein weitgehender Freibrief für Neue Gentechnik patentiertes Saatgut in Europa zur Regel machen könnte. Patente würden die Marktmacht großer Konzerne stärken, mittelständische Züchtungsbetriebe verdrängen und Bäuer in größere Abhängigkeiten bringen.

Bei der Abstimmung im Umweltausschuss wurden zentrale Abänderungsanträge zur Einschränkung von Patenten auf Saatgut nicht zugelassen. Diese sollen nun im Plenum erneut eingebracht werden. ARCHE NOAH ruft daher alle EU-Abgeordneten auf, an der Abstimmung teilzunehmen und für wirksame Patentbeschränkungen zu stimmen. Mehr als 22.000 Menschen haben in den vergangenen Tagen bereits eine Eil-Petition von ARCHE NOAH unterstützt, europaweit wurden über 200.000 Protest-E-Mails verschickt. Die Botschaft der Organisation ist klar: Ohne wirksame Einschränkungen von Patenten darf die neue EU-NGT-Verordnung nicht beschlossen werden.

Presseaussendung ARCHE NOAH, 16.06.2026

Eil-Petiton ARCHE NOAH