EU-Beitrittsverhandlungen mit Island eröffnet – aber die isländische Bevölkerung will nicht mehr beitreten

IsländerInnen stehen dem EU-Beitritt mehrheitlich skeptisch gegenüber, die EU-Beitrittsverhandlungen werden dennoch beginnen. Der Europäische Rat hat sich am 17. Juni 2010 für die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit Island ausgesprochen, das Land erhält damit offiziell den Kandidatenstatus.

Laut einer aktuellen Meinungserhebung wollen jedoch nur noch 28 Prozent der IsländerInnen, dass ihr Land ein EU-Mitgliedstaat wird. 2008 waren noch ca. 60 Prozent der isländischen Bevölkerung für einen EU-Beitritt ihres Landes. Ein Streit Islands mit Großbritannien und den Niederlanden über die finanzielle Entschädigung britischer und niederländischer SparerInnen hat die öffentliche Meinung kippen lassen. Die meisten IsländerInnen stehen hinter ihrer Regierung und lehnen es ab, den durch die isländische Bankenkrise geschädigten BritInnen und NiederländerInnen ihr Geld zurückzugeben. Die für einen EU-Beitritt notwendige Zustimmung der Bevölkerung scheint derzeit weit entfernt.

Außerdem dürften sich die Beitrittsverhandlungen in den Bereichen Landwirtschaft, Fischerei und Walfang schwierig gestalten. Obwohl Island einer der aussichtsreichsten EU-Beitrittskandidaten ist, kann also nicht mit einem baldigen Beitritt gerechnet werden.

Weitere Informationen (en)
Kommission empfiehlt Beitrittsverhandlungen mit Island
Europäischer Rat spricht sich für Beitrittsverhandlungen aus