EU: Österreich droht Abgasdebakel

Verkehr & Luft & Industrie

Österreich droht beim EU-Umweltministertreffen heute, Mittwoch, eine bittere Nieder­lage. Das könnte eine Neben­wirkung der geplanten Einigung auf Reduktionsziele für bestimm­te Luftschadstoffe bis 2030 sein.

Denn Österreich sei neben Polen das einzige Land, das noch keine in Zahlen gefasste Vorschlä­ge zum Abbau von Stickstoffoxid, Schwefeldioxid, flüchtigen orga­nischen Verbindungen, Feinstaub usw. gemacht habe, hieß es in Diplomatenkreisen. Offenbar konnten Umwelt-, Wirtschafts- ­und Verkehrsministerium trotz mehrerer Beratungen auf keinen grünen Zweig kommen.

Das aktu­elle EU-Vorsitzland, Luxemburg, hat aber längst einen Kompro­missvorschlag ohne die Eingaben der beiden geschnürt. So könnten Österreich und Polen leicht über­stimmt werden, eine qualifizierte Mehrheit reicht für den Deal.

Bringt Österreichs Umwelt­minister Andrä Rupprechter erst direkt zum Treffen mit den EU-­Kollegen seine Vorschläge mit, sei es nicht allzu wahrscheinlich, dass er diese noch durchsetzen kann, hieß es weiter. Schließlich müsste ein anderes Land bei sei­nen Zielen im Kompromissvor­schlag nachgeben.

So sieht der Luxemburger Vor­schlag für Österreich bis 2030 um 71 Prozent weniger Stickstoffoxid­-Emissionen als 2005 vor. Das Umweltbundesamt (UBA) hält bei sehr ambitionierter Klimapolitik höchstens 67 Prozent für realis­tisch. Rupprechters Position könnte zwischen 63 und 65 Pro­zent liegen. Ähnlich beim Schwe­feldioxid: Luxemburg verlangt 41 Prozent, das UBA tippt auf 39, die offizielle Position könnte nur 36 Prozent vorsehen. Am größten ist die Differenz bei Ammoniak: Das UBA gibt plus drei Prozent an – der EU-Kompromiss minus 18.

Bliebe es nach den Verhandlun­gen mit dem EU-Parlament dabei, müsste Österreich drastisch nach­bessern. Zur Auswahl stehen etwa neue Auflagen für die Industrie oder eine höhere Mineralölsteuer. Sonst drohen EU-Bußen. (Quelle, Wirtschaftsblatt)

Quelle: Wirtschaftsblatt