EU-Parlament kritisiert Biopiraterie durch Pharmafirmen und Lebensmittelkonzerne

Nachhaltigkeit & Wirtschaft (Greenjobs), Umweltrecht

„Immer mehr neue Medikamente basieren auf Pflanzenextrakten oder pflanzlichen Wirkstoffen. Doch indigene Völker, die oftmals als erste die Heilkräfte bestimmter Pflanzen entdecken, werden selten an den Gewinnen beteiligt“. Am Montag, 14. Jänner 2013, diskutierte deshalb das Plenum des Europaparlaments einen Bericht der französischen Grünen-Abgeordneten Catherine Grèze über Maßnahmen gegen Biopiraterie.

„Seit Jahrhunderten wurde das Rosafarbene Zimmerimmergrün (Catharanthus roseus) als traditionelles Heilmittel genutzt. Sein Wirkstoff findet sich seit kurzem auch in einem Medikament gegen Leukämie. Traditionelle pflanzliche Heilmittel sind für viele Pharmazeutik-Unternehmen zu einer wichtigen Quelle für neue Medikamente geworden“, schreibt das EU-Parlament in einer Pressemitteilung und übt Kritik an den Pharmakonzernen. Auch Lebensmittelkonzerne müssen sich Kritik vom EU-Parlament gefallen lassen: „Die indigenen Völker, die oft als erste auf die Heilpflanzen aufmerksam werden, erhalten aber selten einen Anteil der Profite. Teilweise wird sogar ihr Zugang zu traditionellen Heilmitteln durch Industriepatente erschwert. Unter dem Namen Biopiraterie findet sich das Problem nicht nur in der Medikamentenbranche, auch Unternehmen, die neue Früchte und Gemüsesorten entwickeln, greifen auf traditionelle Pflanzen zurück.“

Die aktuelle Gesetzeslage bevorzugt Firmen und hindert die wirtschaftliche Entwicklung in diesen Ländern. Um dieses Ungleichgewicht zu beheben, sollte die EU es Entwicklungsländern leichter machen, das genetische Erbe ihres Landes und ihr traditionelles Wissen zu schützen, schlägt Catherine Grèze vor. So sollte sich die EU etwa dem UN-Nagoya Protokoll anschließen, mit dem die Profite aus genetischen Ressourcen fairer und gleichberechtigt verteilt werden sollen. Auch die Vergabe von Patenten sollte neu geregelt werden. Wer ein Patent beantragt, müsste in Zukunft nachweisen, woher die neuen Inhaltsstoffe stammen und dass sie auf faire und legale Weise bezogen wurden. Der Berichtsentwurf fordert auch, Entwicklungsländer bei der Schaffung von Einrichtungen zu unterstützen, die helfen traditionelle Wirkstoffe und genetische Ressourcen vor Ort zu nutzen.

Die Diskussion im Plenum resultierte in einer Resolution der Abgeordneten, die am Dienstag verabschiedet wurde. Die EU-ParlamentarierInnen fordern darin ein stärkeres Engagement gegen Biopiraterie.

EU-Parlament Pressemitteilung