EU-Rechnungshof Sonderbericht: Hohe Kosten für Stilllegung kerntechnischer Anlagen und der Endlagerung radioaktiver Abfälle in Litauen, Bulgarien und der Slowakei
Die mit der Stilllegung kerntechnischer Anlagen und der Endlagerung radioaktiver Abfälle in Litauen, Bulgarien und der Slowakei verbundenen Kosten könnten sich auf 11,4 Milliarden Euro belaufen. Zu diesem Ergebnis kommen die Prüfer des Rechnungshofes der Europäischen Union.
Die Kosten für die Stilllegung von Kernreaktoren der ersten Generation nach sowjetischer Bauart in Litauen, Bulgarien und der Slowakei werden sich schätzungsweise auf mindestens 5,7 Milliarden Euro belaufen, und dieser Betrag könnte auf das Doppelte ansteigen, wenn die Kosten für die Endlagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe ebenfalls berücksichtigt werden.
Als Litauen, Bulgarien und die Slowakei Bewerberländer für einen Beitritt zur Europäischen Union waren, wurden die Abschaltung und anschließende Stilllegung von acht Kernreaktoren der ersten Generation nach sowjetischer Bauart in drei Kernkraftwerken in Ignalina (Litauen), Kosloduj (Bulgarien) und Bohunice (Slowakei) zu einer Bedingung für den Beitritt dieser Länder gemacht. Die Abschaltung und anschließende Stilllegung dieser Kernreaktoren vor dem Ende ihrer Auslegungslebensdauer stellte eine erhebliche finanzielle und wirtschaftliche Belastung dar. Daher erklärte sich die EU bereit, ab 1999 finanzielle Unterstützung zu leisten. Bis 2020 wird sich die Unterstützung der EU für die Stilllegung kerntechnischer Anlagen auf insgesamt 2.955 Millionen Euro belaufen, wobei der größte Anteil auf Litauen (1.553 Millionen Euro) entfällt, gefolgt von Bulgarien (731 Millionen Euro) und schließlich der Slowakei (671 Millionen Euro). Zusätzlich wurden bis zum Jahr 2013 890 Millionen Euro für Vorhaben bereitgestellt, die einen Teil der Auswirkungen der infolge der vorzeitigen Abschaltung verlorengegangenen Energieerzeugungskapazität eines Landes abmildern sollen.
Der Sonderbericht Nr. 22/2016: "Hilfsprogramme der EU für die Stilllegung kerntechnischer Anlagen in Litauen, Bulgarien und der Slowakei: Seit 2011 wurden Fortschritte erzielt, doch stehen kritische Herausforderungen bevor" steht auf der Webseite des EU-Rechnungshofes auch in deutscher Sprache zur Verfügung.