EU-Saatgutrecht – Breite Allianz fordert Kurskorrektur

Am 25. November 2025 schlug eine breite Allianz aus Saatgut-Initiativen, Umweltorganisationen, Landwirt:innen und Züchter:innen Alarm: Wenn im neuen Saatgutrecht keine wesentlichen Verbesserungen für die Agrobiodiversität und für die Rechte der Landwirt:innen verankert werden, riskiert Europa ein Saatgutsystem, das die Ernährungssouveränität gefährdet und keine Antworten auf die Herausforderungen durch die Klimakrise bietet.

Die nationalen Agrar-Attachés sollten in Brüssel den Weg für eine endgültige Abstimmung auf Botschafter:innen-Ebene ebnen, die Mitte Dezember stattfindet. Dazu müssen sie den Vorschlag der dänischen Ratspräsidentschaft für eine gemeinsame Position der Landwirtschaftsminister:innen zum neuen EU-Saatgutrecht billigen. In einem gemeinsamen Schreiben warnen 200 Organisationen – darunter ARCHE NOAH, IFOAM Organics Europe, European Coordination Via Campesina, die deutsche Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), der Dachverband Kulturpflanzen- und Nutztiervielfalt e.V. oder der Dachverband Ökologische Pflanzenzüchtung in Deutschland –, dass der aktuelle Vorschlag des Rates die Erhaltung und Verbreitung der Kulturpflanzenvielfalt unzulässig einschränkt: Bestehende Rechte, die in mehreren europäischen Ländern wie Österreich anerkannt sind, könnten massiv eingeschränkt werden.

Agrobiodiversität in Gefahr

Derzeit wird das Sortenzulassungssystem von straffen Uniformitätsvorschriften dominiert. Die Landwirtschaftsminister:innen möchten nun die Möglichkeit, neu entwickelte, vielfältige lokale Sorten, die von diesem starren System abweichen, vermarkten zu dürfen, willkürlich auf Obst und Gemüse beschränken – und somit für andere Gruppen von Kulturen wie Getreide und Ölpflanzen verbieten. „Die Züchtung vielfältiger, regional angepasster Sorten von Getreide, Erdäpfeln oder Ölpflanzen zu verbieten, kommt einem Arbeits- und Innovationsverbot gleich. Übergeben die Minister:innen diesen Markt exklusiv der Saatgut-Industrie, werden heimische Saatgut-Produzent:innen, Landwirt:innen und Konsument:innen gleichermaßen im Regen stehen gelassen. Den einen verbietet man die Arbeit, den nächsten fehlen Sorten zur Klimawandelanpassung und die dritten müssen künftig auf regionale Spezialitäten verzichten. Das wäre ein völlig inakzeptabler Kniefall vor den marktdominierenden Konzernen“, warnt Magdalena Prieler, Saatgutrechts-Expertin von ARCHE NOAH.

Die unterzeichnenden Organisationen fordern, dass die Weitergabe von Vermehrungsmaterial zum Zweck der Erhaltung der Vielfalt aus dem Saatgutrecht ausgenommen bleibt – wie derzeit in Österreich. Auch muss die Freiheit für Landwirt:innen, Saatgut untereinander weiterzugeben, gewährleistet sein, und der administrative Aufwand für Kleinstbetriebe muss verhältnismäßig bleiben. Alle diese Punkte fehlen in der Position des Rats. 

Torschluss für EU-Saatgutrecht – Breite Allianz fordert Kurskorrektur