EU-Verordnung zum Europäischen Güterverkehr trifft auf großen Widerstand der Eisenbahngesellschaften

Verkehr & Luft & Industrie

Schaffung eigener Schienenstrecken als unrealistisch zurückgewiesen.
Seit rund zehn Jahren bemüht sich die EU um die Schaffung einer Lösung für das Chaos im europäischen Schienenverkehr. Fast jedes Land verwendet eine eigene Lokomotivtechnik, was dazu führt, dass die Lokomotiven an fast allen Grenzübergängen gewechselt werden müssen, was kompliziert und zeitaufwendig ist. Auch die Kapazitäten für den Güterverkehr auf dem bestehenden Netz sind beschränkt, und es gibt weder gemeinsame Sicherheitsrichtlinien noch eine zentrale Aufsichtsbehörde.

Die EU-Verordnung zur Schaffung eines europäischen Schienennetzes für einen wettbewerbsfähigen Güterverkehr sollte diese Probleme eigentlich lösen, sie resultierte aber in einem kollektiven, lautstarken Protest der Schienenbetreiber: vor allem die verpflichtende Schaffung eines eigenen Schienennetzes für den Güterverkehr wurde als unrealistisch zurückgewiesen.
Die Proteste führten zum Erfolg, die Verordnung wurde jetzt in geänderter Fassung vom Europäischen Parlament im September angenommen. Sie enthält nach wie vor die Verpflichtung, auf manchen Streckenabschnitten bestimmte Zeiten für Güterzüge zu reservieren, aber Güterzüge haben nicht grundsätzlich Vorfahrt. Nächster Schritt ist die Schaffung einer gemeinsamen Aufsichtsbehörde, welche in Zukunft die Buchung der Streckenabschnitte für internationale Gütertransporte organisieren soll. Zur Zeit erfolgt die Buchung dieser Transporte über die nationalen Netzbetreiber. Der große Aufwand trägt mit dazu bei, dass der Gütertransport durch die Bahn im internationalen Wettbewerb mit LKW-Transporten mit Schwierigkeiten kämpft.

Financial Times Deutschland - Artikel
EU-Verordnung zur Schaffung eines europäischen Schienennetzes für einen wettbewerbsfähigen Güterverkehr (913/2010) (pdf)