Eurelectric-Chef: Ende der Kohle weiter entfernt als gedacht

23. Juni 17

Am Montag begann das Jahrestreffen des Verbandes der europäischen Stromerzeuger, Eurelectric. In diesem Rahmen hob der neue Präsident die Vorzüge der Digitalisierung für Kohlekraftwerke hervor und sagte, dass das Ende der Kohleverstromung möglicherweise noch weiter entfernt ist als viele meinen.

Während das 20. Jahrhundert jenes des Öls gewesen wäre, werde das 21. Jahrhundert im Zeichen der Elektrizität stehen, erklärte Laszlo Varro, Chefökonom bei der Internationalen Energie-Agentur (IEA). So müsse Elektrizität bis Mitte des Jahrhunderts auch zur Hauptenergiequelle für den Straßenverkehr werden. Die Stromspeicherkapazität von Elektroautos werde unterdessen übertrieben eingeschätzt, so Jean-Bernard Lévy, CEO des französischen Elektrizitätsriesen EDF.

Mit kontroversiellen Aussagen ließ unterdessen der neue Präsident des Verbands, Francesco Starace, aufhorchen. Es wäre ein Fehler, davon auszugehen, dass die Zeit der Kohleenergie bereits vorbei sei. Es stecke noch ein großes Wertschöpfungspotenzial in der Kohleenergie, das nicht ohne Weiteres verworfen werden sollte, so der Italiener. Dementsprechend sei das Ende der Kohle möglicherweise noch „weiter entfernt, als wir heute denken. Die aktuelle Phase der Digitalisierung könnte dazu beitragen, dass Kohlekraftwerke ihre Emissionen senken”, so der neue Eurelectric-Präsident, der auch CEO des italienischen Energieunternehmens Enel ist.

Sensoren und digitale Kontrollwerkzeug könnten in Kraftwerke eingebaut werden und für einen effizienteren Betrieb sorgen sowie den CO2-Ausstoß pro erzeugter Energieeinheit senken. Mit diesen Aussagen leistet der Eurelectric-Chef einer Verlängerung des Einsatzes der klimaschädlichsten Energieerzeugungsform Vorschub.


EurActiv: „Ende der Kohlekraft ist vielleicht weiter entfernt, als wir denken“