Europäische Wälder verlieren an Qualität
28. Jan 21
Diese Entwicklung zeigt der Europäische Waldzustandsbericht (SoEF) 2020. So hätten die globale Klimaerwärmung und der immer stärker werdende menschliche Druck wie auch Entlaubung, Wind- und Insektenbefall zu einer Zunahme der Schäden an den europäischen Wäldern geführt.
Generell verschlechtert sich der Zustand der europäischen Wälder. Dabei ist die zunehmende mittlere Entlaubung der sechs häufigsten Baumarten auf rund 19 Prozent der Parzellen besonders deutlich. Im Zeitraum zwischen 2010 und 2018 blieb der Gesundheitszustand der Waldbäume, gemessen an der Entlaubung, unverändert auf etwa 72 Prozent der Beobachtungsflächen, allerdings verschlechterte er sich auf 19 Prozent der Flächen und verbesserte sich bei 9 Prozent. 2018 waren 26 Prozent der mehr als 100.000 untersuchten Waldbäume mäßig bis stark entlaubt, und 0,6 Prozent waren abgestorben.
Als wichtige Schadensursachen wurden Schädlinge, Krankheiten, Wildtiere (insbesondere Verbiss durch große Huftiere) und Beweidung durch Haustiere, Brände und Wetterextreme wie Stürme genannt. Zudem wird eine geografische Verschiebung der Störungen beobachtet. Während Brände vor allem die Mittelmeerregion betreffen, sind es in Bezug auf Sturm, Wind und Schnee mehr die nord-, südost- und zentral-osteuropäischen Regionen. Europaweit kann der zunehmende Einfluss des Huftierverbisses beobachtet werden.
Darüber hinaus sind die Wälder in Europa übermäßigen Stickstoffeinträgen und troposphärischem Ozon ausgesetzt. Zwar sanken der mittlere jährliche Schwefel- und Stickstoffeintrag von 1997 bis 2017 um etwa 60 bis 70 Prozent, jedoch die Ozon-Werte wurden an vielen Waldmessstellen überschritten. In den meisten Ländern wurde ein offensichtlicher Anstieg des Gesamtstickstoffs im Boden zwischen 2009/2012 und 2015 festgestellt.
"Ursula von der Leyen hat signalisiert, dass die EU im Kampf gegen die globale Entwaldung weltweit führend sein will. Aber wenn die Haupttreiber der Entwaldung nicht angegangen werden, bleibt der Fortschritt begrenzt“, warnte die Waldschutzorganisation FERN zum Beitrag Ursula von der Leyens beim One Planet Summit, dem vierten, virtuellen außerordentlichen Weltklimagipfel am 11. Jänner.
Waldflächen haben zugenommen
Davon machen geschützte Wälder knapp ein Viertel der gesamten paneuropäischen Waldfläche aus. In den letzten 20 Jahren ist die Fläche der Wälder, die zum Schutz der biologischen Vielfalt ausgewiesen sind, um etwa 65 Prozent gestiegen. Sowohl die Waldfläche als auch das Volumen der wachsenden Bestände haben in allen Regionen Europas weiter zugenommen, jedoch mit einer abnehmenden Expansionsrate. Etwa 46 Prozent der insgesamt 227 Millionen Hektar großen europäischen Wälder sind überwiegend Nadelwälder, 37 Prozent sind überwiegend Laubwälder, der Rest ist gemischt. Allerdings variiert die Verteilung nach Waldtypen stark nach Region. Etwa drei Viertel der Waldfläche in Europa sind gleichaltrige Wälder. Nur ein Viertel sind ungleichaltrige, dem natürlichen Zustand eher entsprechende Wälder.
Die Analyse zeigt einen relativ konstanten Grad der Waldfragmentierung nach Ländern über den Bewertungszeitraum von 2000 bis 2018. Den höchsten Anteil von jeweils mehr als 30 Prozent an isolierten Waldfragmenten wiesen Großbritannien, Irland, Island und Dänemark auf. Den geringsten Anteil an Fragmentierung von rund einem Prozent gibt es in Finnland und Schweden, während der EU-Durchschnitt bei etwa 8 Prozent liegt. Die höchste Fragmentierungszunahme mit einem Anstieg von 9,7 Prozent zwischen den Jahren 2000 und 2018 wurde für Spanien festgestellt.
Wirtschaftliche und energetische Aspekte
Mit fast 92 Prozent hat Mittelwesteuropa den höchsten Anteil der für die Holzversorgung verfügbaren Wälder, während Südosteuropa über den niedrigsten Anteil mit etwa 53 Prozent verfügt. Zwischen 1990 und 2020 bzw. 2010 und 2020 nahm die Fläche der für die Holzversorgung verfügbaren Wälder mit Ausnahme von Nordeuropa zu. Die für die Holzversorgung verfügbare Waldfläche in Europa wird dominiert von gleichaltrigen Wäldern, die über die Verjüngungsphase hinaus sind und noch nicht die Reifephase erreicht haben. Europas Wälder speichern etwa zehn Prozent CO2 und fungieren als wichtige terrestrische Kohlenstoffsenken, es gibt jedoch Anzeichen für eine abnehmende Senkenkapazität.
Europa ist mit einem Handelsüberschuss von 5,5 Milliarden Euro laut SoEF-Bericht 2020 ein Nettoexporteur von Primärholz und Papierprodukten. Im Bereich Nicht-Holz-Güter wie Lebensmittel und Materialien erbrachten Wälder 2015 einen Wert von vier Milliarden Euro. Wälder spielten auch eine wichtige Rolle im Energiesektor, wo erneuerbare Energie aus Holz etwa 6,4 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs in der EU abdeckt.