European Academies‘ Science Advisory Council: Rückendeckung für das EU-Renaturierungsgesetz

Das European Academies‘ Science Advisory Council (EASAC) fordert die EU-Mitgliedsstaaten auf, die Verabschiedung des EU-Renaturierungsgesetzes nicht auf die lange Bank zu schieben oder gar ganz darauf zu verzichten. "Die Verabschiedung des EU-Renaturierungsgesetzes ist wichtig, um den ernsten Herausforderungen für die biologische Vielfalt und das Klima in Europa zu begegnen. Es ist auch von entscheidender Bedeutung für das Wohlergehen und den Lebensunterhalt von Landwirten und anderen Landbewirtschaftern, da funktionierende Ökosysteme die Grundlage für Land- und Forstwirtschaft sind", sagt Professor Thomas Elmqvist, EASAC Co-Direktor für Umwelt.

Gesetz ist keine Bedrohung für die Ernährungssicherheit

Europas führende Wissenschaftler bezweifeln die von den Gegnern des Gesetzes vorgebrachten Argumente. In zwei aktuellen Berichten über regenerative Landwirtschaft (1) und integrierten Pflanzenschutz (2) zeigen EASAC-Wissenschaftler auf, dass es möglich ist, gleichzeitig hohe Erträge zu sichern, die Umweltbelastung zu verringern und die biologische Vielfalt zu verbessern. "Die Behauptung, die Maßnahmen der Farm-to-Fork-Strategie gefährdeten die Ernährungssicherheit, ist falsch. Die Umsetzung der notwendigen Maßnahmen könnte jedoch die Geschäftsinteressen einiger großer Akteure in der Agrarindustrie beeinträchtigen - wie den Verkauf von Pestiziden und Düngemitteln. Diese haben ununterbrochen Kampagnen gegen das Gesetz geführt", sagt Professor Michael Norton, EASAC Co-Direktor für Umwelt.

Eine Gelegenheit, Landwirte für Ökosystemleistungen zu belohnen

In seinen Berichten unterstützt EASAC das Konzept, landwirtschaftliche Subventionen auf die Unterstützung von Landwirten bei der Umstellung auf nachhaltige Praktiken auszurichten, die dazu beitragen die Klima- und Biodiversitätskrise zu bewältigen. "Das neue Gesetz wäre eine einzigartige Gelegenheit, Anstrengungen und Ressourcen für die Wiederherstellung von Ökosystemen und die beteiligten Menschen zu mobilisieren. Landwirte sollten für Maßnahmen belohnt werden, die zur Gesundheit sowohl der Ökosysteme als auch der Menschen beitragen", erklärt Elmqvist.

EASAC fordert die Mitgliedstaaten, die planen gegen das Gesetz zu stimmen oder sich zu enthalten, auf, ihre Position auf der Grundlage der besten verfügbaren wissenschaftlicher Erkenntnisse zu überdenken und für das Gesetz einzusetzen. "Sie sollten vorangehen und einen Weg finden, der alle Interessengruppen mit ins Boot holt und dafür sorgt, dass sie sich aktiv in der Umsetzung engagieren. Renaturierungsmaßnahmen müssen dabei aus einer ganzheitlichen Perspektive angegangen werden, welche Lebensmittelsicherheit und Ernährungssicherheit einschließt", so Norton.

Hintergrund:

Über 80 % der europäischen Lebensräume sind in einem schlechten Zustand. Doch es gibt Hoffnung: Ende Februar 2024 billigte das Europäische Parlament das EU-Renaturierungsgesetz, das eine wesentliche Voraussetzung für die Erfüllung internationaler Klima- und Biodiversitätsvereinbarungen ist, z. B. des Kunming-Montreal-Rahmens für biologische Vielfalt. Es legt erstmals klare Ziele für die Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme in allen Mitgliedstaaten fest, trägt damit zur Erreichung der Klima- und Biodiversitätsziele der EU bei und verbessert gleichzeitig die Ernährungssicherheit. Nachdem im November eine Einigung erzielt worden war und das Europäische Parlament anschließend grünes Licht gegeben hatte, wurde die Abstimmung von der Tagesordnung des Rates genommen, da abzusehen war, dass die notwendige Stimmenmehrheit nicht erreicht werden würde.

EASAC Pressemitteilung

EASAC 2022, Regenerative Agriculture in Europe

EASAC 2023, Neonicotinoids and their Substitutes in Sustainable Pest Control