Freisetzung gentechnisch veränderter Fliegen in Spanien geplant
Landwirtschaft, Gentechnik & Tierschutz
Die englische Firma Oxitec plant die Freisetzung gentechnisch veränderter Olivenfliegen im spanischen Katalonien, berichtet der Verein Testbiotech in einer Pressemitteilung.Die Insekten seien so manipuliert, dass die weiblichen Tiere im Larvenstadium sterben, während die männlichen Nachkommen überleben. Oxitec will in der Nähe der Stadt Tarragona bis zu 5.000 Fliegen pro Woche freisetzen. Das Experiment soll laut Angaben von Testbiotech über ein ganzes Jahr laufen, die mit Netzen überspannte Versuchsfläche wird sich über eine Fläche von bis zu 1000 m² erstrecken. Falls Fliegen entkommen, könnte ihre Ausbreitung nicht kontrolliert werden, kritisiert Testbiotech.
„Olivenfliegen gelten als eine Art, die sich in geeigneten Lebensräumen rasch verbreitet. Nach ausreichend langer Zeit könnten sich die Gentechnik-Fliegen in der gesamten Mittelmeerregion wiederfinden, in all den Regionen, in denen die Fliege auch natürlicherweise vorkommt. Eine breite Koalition von Umwelt- und Landwirtschaftsorganisationen, hauptsächlich aus den Mittelmeerstaaten Frankreich, Griechenland, Italien, Portugal und Spanien, fordert jetzt, dass die Freisetzung derartiger Fliegen vollständig verboten wird.“
„Oxitec beabsichtigt mit ihren Gentechnik-Insekten, die natürlichen Populationen der Olivenfliegen zu reduzieren, um so die wirtschaftlichen Schäden zu verringern, die durch diese Art verursacht werden können“, schreibt Testbiotech. „Die gentechnisch veränderten männlichen Insekten sollen sich mit den weiblichen Fliegen in den natürlichen Populationen paaren und so ihr künstliches Erbgut verbreiten. Verläuft alles, wie von Oxitec geplant, kann es zu einer erheblichen Reduzierung der Art kommen. Dies kann zu einer Beeinträchtigung der biologischen Vielfalt mit erheblichen Auswirkungen auf die Stabilität der Ökosysteme, die Umwelt und die Landwirtschaft führen. Zudem gibt es eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die künstlichen Gene dauerhaft in den natürlichen Populationen überdauern werden. Die Oxitec-Fliegen sind mit synthetischer DNA ausgestattet, die aus einer Kombination des Erbguts von Meeresorganismen, Bakterien, Viren und anderen Insekten besteht. Während Oxitec behauptet, dass Insekten im Labor genetisch stabil vermehrt werden können, kann niemand die genetische Stabilität und das Langzeitverhalten der Insekten vorhersagen, nachdem sie erst einmal freigesetzt wurden.“
„Es ist anzunehmen, dass der eigentliche Grund für die geplanten Freisetzungen das Interesse der Firma Oxitec und ihrer Investoren ist, maximalen Profit aus der patentierten Technologie zu ziehen“, sagt Christoph Then von Testbiotech. „Diese Technologie birgt aber ein erhebliches Potenzial, die biologische Vielfalt und die Zukunft der Olivenproduktion in der Mittelmeerregion zu gefährden. Es ist deswegen wichtig, dass diese Organismen nicht freigesetzt werden. Nirgendwo. Niemals.“
Bislang sei nicht klar, ob die Freisetzungen von den Behörden in Spanien schon genehmigt wurden. Falls das der Fall sein sollte, wäre es die erste Freisetzung gentechnisch veränderter Tiere in der EU. Ein erster Antrag von Oxitec wurde 2013 noch nach öffentlichen Protesten in Spanien zurückgezogen. Der neue Antrag wurde im März 2015 gestellt, war aber erst im Juli im öffentlichen Register der EU einsehbar. Der Beginn der Versuche war bereits für den Juli 2015 geplant.