Freisetzung transgener Insekten: fehlende Aufklärung der Bevölkerung
Natur & Biodiversität
WissenschafterInnen des Max-Planck-Instituts für Evolutionsbiologie fordern die Veröffentlichung aussagekräftiger wissenschaftlicher Daten vor der Freisetzung von genetisch veränderten Tieren.Die WissenschafterInnen untersuchten die Freisetzungsversuche genetisch veränderter Insekten in den USA, in Malaysia und auf den Kaiman-Inseln. Dabei stießen sie auf gravierende Mängel bei der wissenschaftlichen Qualität der Zulassungsunterlagen. Die WissenschafterInnen kritisieren außerdem, dass der Öffentlichkeit vor dem Beginn der Freisetzungsversuche keine angemessenen Beschreibungen der geplanten Verfahren zugänglich gemacht wurden.
Die Forscher fordern „die grundsätzliche Veröffentlichung der Zulassungsunterlagen und öffentlich verfügbare Verfahrensbeschreibungen vor dem Start von Freisetzungsexperimenten“. Sie veröffentlichten außerdem im Internet eine Checkliste, mit der die wissenschaftliche Qualität von Zulassungsunterlagen abgeschätzt werden kann.
Als Beispiel für die mangelhafte Transparenz bei der Freisetzung von gentechnisch veränderten Tieren zitieren die StudienautorInnen das im Jahr 2008 erstellte Gutachten zur Umweltverträglichkeit von genetisch modifizierten Insekten. Dieses ist das erste Gutachten seiner Art und wurde von den amerikanischen Behörden verfasst. Die StudienautorInnen bemängeln die wissenschaftliche Qualität des amerikanischen Gutachtens: „So beruht die positive Einschätzung lediglich auf zwei – von insgesamt 170 angeführten – wissenschaftlichen Studien. Diese berücksichtigten wiederum nur eine der vier im Gutachten aufgeführten Insektenarten.“
Die USA seien aber keine Ausnahme, berichtet Guy Reeves vom Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie: „Wir haben festgestellt, dass weltweit die Öffentlichkeit nur sehr begrenzt Zugang zu den wissenschaftlichen Informationen über Freisetzungsversuche hat, vor allem Informationen im Vorfeld eines Versuchs“.
In den letzten Jahren sei die Zahl der Freisetzungsexperimente von genetisch veränderten Insekten stark angestiegen, berichten die WissenschafterInnen und in vielen weiteren Ländern seien Feldversuche in Planung, darunter auch in Mitgliedstaaten der Europäischen Union (Frankreich und Großbritannien).