Greenpeace: Atomkonzerne haben zu geringe Rücklagen für Kraftwerksunfälle

Klima & Energie

„Wieder Ärger für Deutschlands Atomkonzerne“ - „In der Atomindustrie sorgt der Temin seit Tagen für Unruhe“, fasst das „Handelsblatt“ die heutige (Mittwoch, 11. April 2012) Pressekonferenz von Greenpeace Deutschland und dem Forum für Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) schon vorab zusammen.

Greenpeace und das FÖS fordern die deutsche Bundesregierung auf, die „Rückstellungen der Atomkonzerne für Abriss und Entsorgung der Kernkraftwerke in einen Staatsfonds zu überführen“. Die für Unfälle zurückgelegten Gelder seien nicht insolvenzsicher angelegt. „Das Geld liegt nicht auf Sonderkonten, sondern ist in den Unternehmen investiert“ kritisiert Thomas Breuer, Leiter des Energiebereichs bei Greenpeace, in einem Interview mit dem „Handelsblatt“. Wenn Konzerne – zum Beispiel als Folge von Atomunfällen – Pleite gehen, gehen somit auch die Rücklagen verloren und am Schluss müssen wieder die Steuerzahler die Rechnung begleichen.

Für den Rückbau der deutschen Atomkraftwerke nach deren Stilllegung seien mindestens 34 Milliarden Euro notwendig, kritisieren Greenpeace und das FÖS.

„RWE, E.on, EnBW und Vattenfall haben zwar entsprechende Rückstellungen in ihren Bilanzen gebildet. Problematisch könnte es aber werden, sollten künftig weitere Kosten anfallen. Die Energiekonzerne müssen lediglich bis zum Jahr 2022 für säumige Zahlungen ihrer Kraftwerkstöchter einstehen. Danach können sie ihre Verpflichtungen gegenüber den AKW-Tochtergesellschaften kündigen.

“Die Rückstellungen sind nicht insolvenzsicher und sie verschaffen den Konzernen Wettbewerbsvorteile”, so Thomas Breuer in der Pressemitteilung von Greenpeace anlässlich der heutigen Pressekonferenz. “Die turbulente Wertentwicklung der Aktien an den Wertpapierbörsen zeigt, dass es sich bei den Energiekonzernen um hochspekulative Unternehmen handelt.”

Seit der Atomkatastrophe von Fukushima bietet Atom „keine sichere Rendite mehr“ und auch der Bau neuer Kraftwerke im Ausland sei nur schwer zu finanzieren, fasst das „Handelsblatt“ die Probleme der Atomindustrie zusammen. Erst vor wenigen Wochen stoppten die deutschen Energiekonzerne RWE und E.ON unter anderem aus Kostengründen die weitere Planung von zwei Atomkraftwerken in Großbritannien. Die Finanzierung dieser Kraftwerke ist nach wie vor nicht gesichert.

Greenpeace Pressemitteilung
Handelsblatt: Versorger haben zu geringe Atom-Rücklagen