Greenpeace begrüßt Initiative des Klimaministeriums zu Vernichtungsverbot von Neuwaren

Letzte Woche hat das Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) eine Initiative für ein Vernichtungsverbot von neuer Kleidung und Elektrogeräten präsentiert. Um die grassierende Ressourcenverschwendung einzudämmen, brauche es laut BMK auch in Österreich ein Vernichtungsverbot von Neuwaren und neuwertigen Waren. Vor allem im Onlinehandel werden große Mengen an Neuware von Elektrogeräten und Textilien vernichtet.

„Große Mengen ungenutzter Kleidung und neuer Elektrogeräte werden vielfach einfach vernichtet. Sei es als Retourware oder als Kleidung der Vorsaison. Das ist eine unglaubliche und absurde Verschwendung unserer wertvollen Ressourcen und auch unserer Energie“, erklärte dazu Klimaschutzministerin Leonore Gewessler. Ein sorgsamer Umgang mit Ressourcen sei gerade jetzt wichtiger denn je. „Klar ist: das Vernichten von neuen Elektrogeräten und Textilien muss ein Ende haben“, so Gewessler. Darum wird bereits mit der Wirtschaft, sozialen Einrichtungen und der Zivilgesellschaft an einem Ende der Vernichtung von Neuware gearbeitet.

4.600 Tonnen Kleidung 2021 in Österreich vernichtet

Greenpeace begrüßt diese Initiative des Ministeriums. Die Umweltschutzorganisation hat zusammen mit Journalist:innen in den letzten Jahren immer wieder die Zerstörung von Neuware bei m Online-Händler Amazon in Europa aufgedeckt. Vor allem bei Kleidung sei die Überproduktion enorm. Greenpeace schätzt mit Blick auf Studien und Handelsbilanzen, dass im Vorjahr mindestens 4,6 Millionen Kilogramm der in Österreich angebotenen Kleidung und Schuhe nicht verkauft und letztlich vernichtet wurden (das entspricht einem Warenwert von rund 155 Millionen Euro). Seit Jahren fordert die NGO ein Vernichtungsverbot, wobei das Verbot alle Produktgruppen umfassen soll und es rasch gesetzlich verankert sowie konsequent kontrolliert wird.

„Angesichts der Klima- und Energiekrise muss die Ressourcenverschwendung dringend gestoppt werden. Es ist absurd, dass Produkte, die mit viel Material-, Energie-, und Arbeitseinsatz produziert wurden, gar nicht genutzt werden”, betont Lisa Panhuber, Konsumexpertin bei Greenpeace in Österreich.

„Da die Produkte oft nur kurz oder gar nicht genutzt werden, wachsen die Müllberge enorm. Nur ein Prozent der produzierten Kleidungsstücke werden wieder zu Mode recycelt. Oft wird argumentiert, dass überschüssige Produkte auf Second-Hand-Märkten landen, doch Recherchen von Greenpeace zeigen, dass beispielsweise in Kenia rund 40 % der Kleidung aus Europa keine Verwendung findet und entsorgt werden muss“, erklärt Panhuber. „Während manche Menschen jeden Cent umdrehen müssen, sorgt das Geschäftsmodell vieler internationaler Konzerne dafür, dass Waren produziert und sofort wieder vernichtet werden - die österreichischen Unternehmen sind jetzt gefragt, an einer guten Lösung mitzuarbeiten und damit ein Vorzeigebeispiel für Europa zu setzen“, so Panhuber.

Allein die Textilindustrie erzeugt weltweit pro Jahr mehr als 1,2 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente. In Österreich werden jährlich etwa 130.000 Tonnen Bekleidung und Schuhe verkauft. Expert:innen schätzen allerdings, dass bis zu 30 Prozent der für Industriestaaten produzierten Kleidung nicht verkauft wird. Darüber hinaus sei die Menge an Elektronikgeräten im Handel in Österreich zwischen 2015 und 2021 von 172.000 Tonnen auf 250.000 Tonnen gestiegen.

 

Greenpeace: Hintergrundpapier zur Vernichtung von Waren und der Greenpeace Schätzung für Österreich (pdf)

BMK: Maßnahmen gegen Ressourcenverschwendung bei Elektrogeräten und Textilien