Greenpeace-Report: Pestizide bedrohen Artenvielfalt

Landwirtschaft, Gentechnik & Tierschutz

Der am 13. Oktober 2015 veröffentlichte Greenpeace-Report „Europas Abhängigkeit von Pestiziden“ zeigt die „lasche Haltung der EU im Umgang mit Pflanzenschutzmitteln“ auf, schreibt die Umweltschutzorganisation in einer Pressemitteilung. „Die Folgen sind gravierend: Fast ein Viertel aller gefährdeten Tier- und Pflanzenarten sind durch aus Land- und Forstwirtschaft stammende Schadstoffe, darunter Pestizide und Düngemittel, bedroht.“ Die Umweltschutzorganisation Greenpeace fordert eine Abkehr von chemischen Pestiziden und transparente Zulassungsverfahren.

„Das Zulassungsverfahren für Pestizide durch die Europäische Union weist deutliche Mängel auf und gefährdet dadurch die Umwelt“, sagt Herwig Schuster, Chemiker bei Greenpeace in Österreich. Dabei wird immer nur der einzelne Wirkstoff bewertet, kritisiert Greenpeace. Die dann im Handel erhältlichen, fertigen Pestizidprodukte enthalten aber in der Regel weitere Zusatzstoffe wie Lösungsmittel, Tenside und Emulgatoren, die zum Beispiel dafür sorgen, dass der Wirkstoff besser in die Pflanzen eindringen kann. „Die Toxizität solcher Chemie-Mischungen kann bis zu 1000 Mal höher ausfallen, als bei dem einzelnen Wirkstoff alleine“, sagt Schuster. Auch Effekte von Pestizidgemischen, sogenannte „Cocktails“, werden immer noch nicht routinemäßig berücksichtigt.



Greenpeace kritisiert auch „schwerwiegende Interessenskonflikte im Bewertungsverfahren. Die standardisierten Untersuchungen würden nicht von unabhängigen Forscherteams durchgeführt, sondern von den Antragstellern selbst. Oft werden die Studien nur in zusammengefasster Form veröffentlicht, was es unmöglich macht, die Ergebnisse unabhängig zu überprüfen. Auch in der aktuellen Debatte rund um die Neuzulassung des umstrittenen, von der Internationalen Agentur für Krebsforschung IARC als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuften Herbizids Glyphosat stützt sich ein Teil der Bewertung auf nicht-öffentlich zugängliche Industrie-Studien.

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Ein weiterer Kritikpunkt der Greenpeace-Studie: „Wir erleben in Europa derzeit einen erschreckenden Rückgang der Insektenpopulationen. Dabei sind 70 Prozent der 124 wichtigsten Nutzpflanzen in der Nahrungsmittelproduktion von der Bestäubung durch Insekten abhängig, darunter Apfel und Raps“, sagt Schuster. Schuld daran sind unter anderem Pestizide, denn sie bekämpfen nicht nur Schädlinge, sondern schaden auch wichtigen Bestäubern wie Bienen und Schmetterlingen. 

„Wir brauchen einen Paradigmenwechsel hin zu einer wirklich ökologischen Landwirtschaft. Dafür braucht es entsprechende politische und finanzielle Unterstützung. Nur gemeinsam können wir den Teufelskreis des Pestizideinsatzes durchbrechen“, so Schuster abschließend.



Greenpeace Pressemitteilung
„Europas Abhängigkeit von Pestiziden“ in englischer Sprache sowie die deutsche Zusammenfassung
Petition für eine ökologische Landwirtschaft