Greenpeace: Weniger Milch und Fleisch für das Klima
8. März 18
Die Welt muss die Produktion und den Verbrauch von Fleisch bis 2050 halbieren, um die Klimaziele des Pariser Abkommens zu erreichen, heißt es in einem neuen Greenpeace-Bericht. Wie der Bericht „Less is more“ feststellt, verursacht die Landwirtschaft, wenn sie ihren derzeitigen Trend beibehält, in den kommenden Jahrzehnten 52 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen – und davon gehen 70 Prozent auf das Konto der Fleisch- und Milchindustrie. Laut Eurostat tragen die Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft 10 Prozent zu den Gesamtausstößen der EU bei.
Die Produktion von Fleisch ist in den letzten Jahrzehnten weltweit stark gewachsen und in vielen Regionen der Erde haben sich ungesunde Ernährungsmuster durchgesetzt. Das hat drastische Auswirkungen auf Klima, Wälder und Artenvielfalt, aber auch auf die individuelle Gesundheit. „Gemäß der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung sollten wir, um gesund zu bleiben, nicht mehr als drei Portionen von je 100 bis 150 Gramm Fleisch pro Woche konsumieren. Die ÖsterreicherInnen essen im Schnitt rund 1,2 Kilo Fleisch pro Woche – also etwa das Dreifache. Dabei ist ungesunde Ernährung - zu viel Fleisch, Fett und Zucker - einer der Hauptgründe für frühzeitige Todesfälle.“ warnt Sebastian Theissing-Matei, Landwirtschaftssprecher bei Greenpeace in Österreich.
Am 29. November 2017 veröffentlichte die Europäische Kommission ihre Mitteilung über die künftige Gemeinsame Agrarpolitik (GAP). Aus Sicht der EU-Exekutive sollte die GAP für die Zeit nach 2020 einfachere Regeln und einen flexibleren Ansatz für die Mitgliedstaaten und Regionen bieten. Die Kommission erklärte darin, den Mitgliedstaaten solle mehr Verantwortung bei der Entscheidung, wie und wo sie ihre GAP-Mittel investieren, um „ehrgeizige gemeinsame Ziele in den Bereichen Umwelt, Klimawandel und Nachhaltigkeit zu erreichen“, übertragen werden. Die entsprechenden Legislativvorschläge wird die Kommission im Anschluss an den MFR-Vorschlag vor Sommer 2018 vorlegen.
Aus Sicht von Greenpeace hat die bisherige EU-Agrarpolitik allerdings zu einer „ökologischen Gratwanderung“ geführt. Die LandwirtInnen müssten sich noch verstärkter der ökologischen Pflanzen-, Fleisch- und Milchproduktion zuzuwenden. „Die industrielle Tierhaltung ist eine der Hauptursachen für Kohlenstoffemissionen, Wasser- und Luftverschmutzung und verursacht große Gesundheitsprobleme wie Antibiotikaresistenz,“ heißt es in dem Bericht.
„Unsere Regierungen müssen dafür sorgen, dass die anstehende Reform der Landwirtschaftsvorschriften den Übergang zu ökologischem Gemüseanbau und zu weniger, aber nachhaltigerer Tierhaltung beschleunigt und gleichzeitig die Förderung der intensiven Tierproduktion rückgängig macht,“ betont Marco Contiero von Greenpeace.
Im Bericht von Greenpeace wird auch auf die Gefahr der Resistenz gegen antimikrobielle Mittel durch intensive Tierhaltung hingewiesen. In einem am 27. Februar von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) veröffentlichten Bericht wurde festgestellt, dass Bakterien in Mensch und Tier weiterhin Resistenzen gegen antimikrobielle Mittel aufweisen.
„Die Notwendigkeit, die Nachfrage nach tierischen Erzeugnissen zu reduzieren, ist heute wissenschaftlicher Mainstream. Nur ein deutlicher Rückgang des Fleisch- und Milchkonsums wird es uns ermöglichen, ein zukunftsfähiges Nahrungsmittelsystem aufzubauen – zum Wohle des Menschen und des Planeten insgesamt,“ kommentierte Pete Smith, ehemaliger Hauptautor des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC).
Euractiv: Greenpeace: Weniger Milch und Fleisch für das Klima