Informationsdienst Gentechnik: Erosion der Pflanzenzüchtung
Landwirtschaft, Gentechnik & Tierschutz
„Die Zukunft der Pflanzenzüchtung in Deutschland, aber auch in Entwicklungsländern, war eines der Diskussionsthemen auf der BioFach-Messe in Nürnberg“ schreibt der Informationsdienst Gentechnik. „Dabei wurde klar: kleine und mittelständische Züchter ringen ums Überleben, während Konzerne große Summen in Gentechnik-Methoden stecken.“„Gebhard Rossmanith, Vorsitzender der ökologisch ausgerichteten Bingenheimer Saatgut AG, erinnerte sich an seine Anfänge als Gemüsegärtner in den 1970er Jahren. Damals habe es eine große Vielfalt bei den Sorten gegeben. Heute gebe es keinen einzigen Gemüsezüchter mit einem breiten Sortiment mehr. Neue Gemüsesorten kämen fast nur noch vom Verein Kultursaat.“
Zu mehr „Open Source von natürlichen Ressourcen“ mahnte der deutsche grüne Parlamentarier Harald Ebner. Es gäbe „einerseits eine „große Erosion“ bei eigenständigen Züchtern, andererseits Investitionen in teure Gentechnik – in den USA habe das bei Mais zu einem Schwund von 70 Prozent der Sorten geführt. Auch in Deutschland würden viele Züchter von Konzernen aufgekauft. Deswegen müsse der Mittelstand stabilisiert, die Zulassungskriterien für neue Sorten gelockert werden. Außerdem müsse der Patentierung von Pflanzen und Tieren endlich ein politischer Riegel vorgeschoben werden. Das habe der Bundestag zwar schon 2012 beschlossen, doch sei das unter Schwarz-Gelb „mit vielen Zugeständnissen erkauft“ worden – immer noch mache das Europäische Patentamt in München, was es wolle, so Ebner. Das Amt, das keine EU-Behörde sondern ein von zahlreichen Staaten vertraglich ins Leben gerufenes Gebilde ist, wird häufig wegen der Vergabe von Patenten auf konventionell gezüchtete Pflanzen kritisiert“, schreibt der Informationsdienst Gentechnik.
Ebner verlangte auch mehr Gelder für die Forschung in Öko-Züchtung und -Landbau. Die Gentechnik sei, gemessen an ihrem tatsächlichen Nutzen ohnehin „überfördert".