IPBES-Bericht: Verlust von Artenvielfalt bedroht Menschheit

9. Mai 2019

Von den geschätzt acht Millionen Tier- und Pflanzenarten weltweit sind rund eine Million Arten vom Aussterben bedroht, wie ein neuer UNO-Bericht aufzeigt. Viele Arten könnten bereits „in den kommenden Jahrzehnten“ verschwinden, heißt es in dem Bericht zur weltweiten Artenvielfalt, den der Weltrat für Biodiversität (IPBES) am Montag in Paris veröffentlichte. 

Laut dem Bericht, an dem WissenschaftlerInnen aus der ganzen Welt mitarbeiteten, schwand in den meisten Lebensräumen auf dem Land die Zahl dort natürlich vorkommender Arten durchschnittlich um mindestens 20 Prozent. Ein dramatischer Artenschwund ist besonders seint 1900 zu verzeichnen so eine weitere Kernaussage des Berichts. Mehr als 40 Prozent der Amphibienarten, fast 33 Prozent der riffbildenden Korallen und mehr als ein Drittel aller marinen Säugetierspezies sind bedroht.

Viele der im Bericht aufgelisteten Entwicklungen hängen eng mit dem rasanten Wachstum von Weltbevölkerung und Wirtschaft zusammen. So haben sich die landwirtschaftlichen Ernteerträge seit 1970 verdreifacht und der Holzeinschlag nahezu verdoppelt. 60 Milliarden Tonnen erneuerbare und nicht erneuerbare Rohstoffe und Ressourcen werden alljährlich abgebaut – fast doppelt so viele wie noch 1980. 

Um weitere Naturzerstörung und damit den Verlust der menschlichen Lebensgrundlagen einzudämmen, fordern ExpertInnen fundamentaler Veränderungen bei Technologien, Wirtschaft und Gesellschaft, Paradigmen, Ziele und Werte eingeschlossen. Der brasilianische Anthropologe Eduardo Brondizio, einer der HauptautorInnen des Barichts fordert: „Wir müssen die Lebensqualität in den Mittelpunkt stellen und nicht das Wirtschaftswachstum“. 

Auch Österreich ist keine Insel der Seligen. Der Umweltdachverband fordert daher die Umsetzung von Sofortmaßnahmen für den Schutz der Biodiversität in Österreich“, sagt Franz Maier, Präsident des Umweltdachverbandes. Dieser fordert sechs Sofortmaßnahmen für den Erhalt der Artenvielfalt:

 1. Schaffung eines Bundesrahmennaturschutzgesetzes: Um den Arten- und Naturverlust zu stoppen und österreichweit die einheitliche Erfüllung der EU-Naturschutzrichtlinien zu gewährleisten, müssen alle Bundesländer und der Bund an einem Strang ziehen. Wir fordern – nach deutschem Vorbild – ein Bundesrahmennaturschutzgesetz als wesentliche Grundlage für die Umsetzung von Natura 2000 – dem EU-weit wichtigsten Instrument zum Schutz der Ökosysteme und Arten. 

2. Ökologische Gewässersanierung: 60 Prozent der heimischen Gewässer sind sanierungsbedürftig, dennoch wird der ökologische Gewässerschutz sukzessive ausgetrocknet. Die Förderungen im Umweltförderungsgesetz wurden von geplanten 150 Millionen Euro auf null reduziert. Finanzminister Hartwig Löger muss endlich die leerstehenden Fördertöpfe für die Gewässersanierung wieder auffüllen. 

3. Aufwertung der Umweltanwaltschaften statt Beschneidung von Parteienrechten: Die österreichischen Landesumweltanwaltschaften sind unverzichtbare öffentliche Institutionen zur Erhaltung bzw. Herstellung der rechtlich gebotenen Standards im Natur- und Artenschutz. Diese Institutionen sollten aufgewertet werden, anstatt sie – wie in Oberösterreich geplant – zu beschneiden. Dies würde einen massiven Rückschritt im Kampf gegen Natur- und Landschaftszerstörung, Artensterben und Biodiversitätsverlust verhindern. 

4. Natur- und Artenschutz im EU-Programm für Ländliche Entwicklung stärken: Die für ökologische Zwecke relevante 2. Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU muss mit entsprechenden Fördergeldern gestärkt werden, um die Landwirtschaft ökologisch nachhaltig und zukunftsfähig zu machen. 

5. Schaffung eines Biodiversitäts-Soforthilfe-Fonds: Alle Naturschutz-Institutionen und -Programme wie Schutzgebietsverwaltungen, Artenschutzprogramme, Biotopkartierungen etc. leiden unter immenser Unterfinanzierung. Ein von Bundes- und Landesseite gespeister Soforthilfe-Fonds würde dazu beitragen, der Biodiversitätskrise unmittelbar zu begegnen und erste Maßnahmen umzusetzen. 

6. Mainstreaming Biodiversität: Der Erhalt der biologischen Vielfalt ist nicht nur Aufgabe des Naturschutzes. Alle Wirtschaftssektoren sind direkt abhängig von kostenlosen Ökosystemleistungen und müssen ihren Beitrag für den Schutz intakter Naturräume leisten. Denn Naturschutz kann nur effizient wirken, wenn er auf breiter Ebene getragen und umgesetzt wird.
 

orf.at: Eine Million Arten vom Aussterben bedroht

Presseinformationen IPBES

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