IPCC-Bericht: Förderung kleinbäuerlicher Communities erforderlich

Im zweiten Teil seines sechsten Sachstandsberichts zeigt der Weltklimarat deutlich, welche Auswirkungen die Klimakrise auf natürliche Ökosysteme und den Menschen hat. Der Bericht des Weltklimarats widmet sich auch den Zusammenhängen zwischen der Klimakrise und dem Artensterben.

Der IPCC-Bericht zeigt, dass bis Mitte dieses Jahrhunderts um bis zu 183 Millionen Menschen zusätzlich unterernährt sein könnten. 3,3 bis 3,6 Milliarden der knapp acht Milliarden Menschen weltweit seien bereits „sehr anfällig“ für die Folgen der Klimakrise. Infolge der zunehmenden Verknappung natürlicher Ressourcen seien Kleinbäuer:innen, Fischer:innen und andere Menschen in ländlichen Gebieten bereits jetzt besonders betroffen.

Der IPCC-Bericht betont als einen wichtigen Lösungsschritt die Investition in agrarökologische Praktiken und die Förderung von kleinbäuerlichen Communities als notwendige Anpassungsmaßnahme.

"Wer das Klima retten will, muss kleinbäuerliche Lebens- und Produktionsweisen schützen", erklärt Tina Wirnsberger, Projektkoordinatorin des FoodFirst Informations- und Aktions-Netzwerks (FIAN). „Das bedeutet verbesserten Zugang zu Land und anderen natürlichen Ressourcen ebenso wie das Recht auf Saatgut, das unabhängig von chemischem Dünger und Pestiziden Ertrag bringt und vermehrt werden kann.“ Eine Agrarindustrie, die sich an Konzernprofiten orientiert statt an Menschenrechten, habe über Jahrzehnte hinweg wesentlich zur Klimakrise beigetragen. Sie sei ein Teil des Problems und habe weder Antworten auf die Klima- noch auf die Ernährungskrisen.

Germanwatch: Arme Länder leiden am stärksten unter Klimakrise

Auch die deutsche Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch fordert angesichts des Berichts, konkrete politische Konsequenzen aus dem Ende Februar veröffentlichten zweiten Teil des 6. Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC zu ziehen. „Die Klimakrise ist schon heute von zerstörerischem Ausmaß – sie fordert Menschenleben, treibt ökonomische Kosten in die Höhe, verschärft Konflikte und gefährdet Menschenrechte weltweit. Steigende Emissionen werden diese Lage massiv verschärfen. Fast die Hälfte der Weltbevölkerung sieht der IPCC sogar einem hohen Risiko ausgesetzt“, erklärt Vera Künzel, Referentin für Anpassung an den Klimawandel und Menschenrechte bei Germanwatch. „Das Problem ist: Die internationale Finanzierung von Anpassung an die Folgen der Klimakrise und der Umgang mit nicht mehr vermeidbaren Schäden und Verlusten stehen in keinem Verhältnis zu dieser drastischen Realität. Das muss sich schnell ändern.“

Klimawandelgetriebene Extremwetterereignisse hätten weltweit bereits große, in einem deutlich über frühere Schätzungen hinausgehenden Ausmaß bestehende und teils irreversible Schäden verursacht. „Jene Länder und Menschen, die am wenigsten zur Klimakrise beigetragen haben, leiden existenziell unter ihren Auswirkungen – allen voran auf dem afrikanischen Kontinent“, so Künzel.

Die internationale Finanzierung für Anpassung an den Klimawandel habe mit dieser Entwicklung nicht Schritt gehalten, kritisiert Rixa Schwarz, Leiterin des Teams Internationale Klimapolitik bei Germanwatch. „Hier sind die reichsten Länder gefragt, die sich dieses Jahr unter deutschem Vorsitz in der G7 treffen. Die G7 müssen sicherstellen, dass die von den Industrieländern eigentlich bereits bis 2020 zugesagten 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr für Klimaschutz und Klimaanpassung dieses Jahr endlich erreicht werden. Die Mittel für Klimaanpassung in diesem Paket müssen dabei mindestens verdoppelt werden“, betont Schwarz.

Erforderlich sei ein umfassendes globales System zum Schutz vor der Klimakrise. „Dieses muss sowohl angemessene Instrumente enthalten, die bessere Vorsorge vor Klimarisiken ermöglichen, als auch nach Wetterkatastrophen sowie beim Umgang mit den Folgen langsam voranschreitender Ereignisse wie etwa dem Meeresspiegelanstieg Unterstützung bieten“, so Schwarz.

WWF Österreich fordert Wiederherstellung von Ökosystemen

Die Umweltschutzorganisation WWF Österreich sieht in dem IPCC-Bericht einen Weckruf an die internationale Politik und fordert einen Klima- und Naturschutz-Pakt. „Die Politik darf nicht länger tatenlos zusehen, während intakte Ökosysteme im Rekordtempo vernichtet werden und Menschen dadurch ihre Lebensgrundlagen verlieren. Wir brauchen endlich ambitionierte Maßnahmen, um die schlimmsten Auswirkungen dieser Krise abzufedern und Menschen und Natur vor ihr zu schützen”, sagt Karl Schellmann, Klimaexperte des WWF Österreich.

Der WWF fordert, dass Naturschutz und Klimaschutz Hand in Hand gehen müssen: „Wir dürfen uns nicht nur auf technologische Entwicklungen verlassen. Eine intakte Natur ist die unverzichtbare Grundlage, um die Klimakrise zu stoppen, daher müssen wir sie auf allen Ebenen besser schützen – weltweit, aber auch in Österreich“, sagt Schellmann.

Gerade angesichts der verpassten Chance auf eine breite Einigung bei der COP26 in Glasgow, sollte der Bericht des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) die Politik wachrütteln. „Bund, Länder und Unternehmen sind gefordert, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen und umfassend zu handeln. Jeder Schritt zählt”, so Schellmann.
 

IPCC: 6. Sachstandsbericht

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Germanwatch: „Wir brauchen ein umfassendes System zum Schutz vor der zerstörerischen Wucht der Klimakrise“