Ist Chinas Umwelt noch zu retten?
Natur & Biodiversität
China verheimlicht Zahlen über Ausmaß der Umweltverschmutzung.Im März veröffentlichte China seinen neuen Fünf-Jahres-Plan, der auch ehrgeizige Umweltschutzziele anführt. Der Energieverbrauch soll stark gesenkt und die nachhaltige Energiegewinnung gefördert werden, die internationalen Anstrengungen zur Reduktion der Treibhausgasemissionen sollen unterstützt werden.
Eine Analyse der chinesischen Umweltpolitik zeigt jedoch, dass es in China großen Aufholbedarf gibt, und vor allem verlässliche Zahlen und Daten über das Ausmaß der Umweltverschmutzung im Land fehlen.
Die amerikanische Wissenschafterin Eve Cary schreibt in einem Artikel für The Jamestown Foundation, dass rund 90% der Seen und Flüsse in China verseucht seien und 20 der 30 am meisten verschmutzen Städte der Welt in China zu finden seien.
Ein ambitioniertes Umweltschutzprogramm der Regierung, das nicht nur das BIP (Bruttoinlandsprodukt) zur Messung des wirtschaftlichen Erfolges heranzog, wurde nach nur wenigen Jahren wieder eingestellt. Das „Grüne BIP“ sollte eigentlich auch die Kosten für die Umwelt und den Umweltschutz bei der Berechnung des Wirtschaftswachstums berücksichtigen.
Die Provinz Shanxi veröffentlichte im August 2004 erste Zahlen: das BIP war 11,2 Prozent, aber die Kosten der Umweltverschmutzung betrugen gleichzeitig 10,9 Prozent. Das echte Wirtschaftswachstum betrug also nur 0,3 Prozent.
Der erste komplette „Grüne BIP“-Report mit Wirtschaftszahlen aus ausgewählten Provinzen und Zahlen für das Jahr 2004 wurde im Jahr 2006 veröffentlicht. Der Report zeigte, dass China in diesen Provinzen durch die Umweltverschmutzung finanzielle Verluste in der Höhe von 61,8 Milliarden US-Dollar hatte, mehr als 3% des Wirtschaftswachstums.
Viele Provinzen und Gemeinden, die ähnliche katastrophale Umweltzahlen fürchteten, verweigerten daraufhin die weitere Teilnahme am „Grünen BIP“-Programm, das wenig später eingestellt wurde.
Im März 2007 wurde die Veröffentlichung der Zahlen für das Jahr 2005 verboten.
Eine genaue Analyse über die Gründe des Scheiterns des chinesischen „Grünen-BIP“-Programmes finden Sie auf der Webseite der Jamestown Foundation.
Jamestown Foundation: China’s Policy Impasse: The Case of the „Green GDP“ Initiative (en)