Katalog für Endokrine Disruptoren: Druck auf EU-Kommission wächst

Chemie & Nanotechnologie

Die EU-Kommission muss schnellstmöglich Kriterien zur Klassifizierung von hormonell wirksamen Chemikalien, sogenannte endokrinen Disruptoren (EDC), aufstellen. Das fordern der europäische Ministerrat und das EU-Parlament und unterstützen damit eine Klage von Schweden vor dem Gerichtshof der Europäischen Union.

Die EU-Kommission war nach der Biozidverordnung dazu verpflichtet, bis Ende 2013 einen Kriterienkatalog für EDC zu veröffentlichen, ist dem aber bisher nicht nachgekommen. Sie beantragte vorerst ein Folgenabschätzungsverfahren, das immer noch läuft. Deshalb wirft Schweden der Kommission eine Verletzung der Biozidverordnung vor. Auch unterscheide sie nicht zwischen den tatsächlichen wissenschaftlichen Eigenschaften von EDC und den ökonomischen Auswirkungen auf eine Substanz, die als EDC deklariert werde. Diesen Vorwurf haben auch zahlreiche EU-ParlamentarierInnen unterstützt, die vergangene Woche einen Beschwerdebrief an Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis schickten.

Umweltorganisationen befürchten einen zu schwachen Kriterienkatalog von EDC. Nachdem die EU-Kommission eine öffentliche Konsultation zu diesem Katalog vor zwei Wochen abgeschlossen hat, zieht sie vier Definitionsmöglichkeiten in Betracht. Laut einer Studie des Pestizidaktionsnetzwerk Europas (PAN Europe) würden nach diesen Kriterien nur sieben von 31 eingesetzten Pestiziden in Europa reguliert.

Die Kosten für negative gesundheitliche Auswirkungen von EDC in der EU werden auf 2,1 Milliarden Euro geschätzt. Die Umwelt- und Gesundheitsorganisation HEAL fordert deshalb, die öffentliche Gesundheit durch einen strikten Kriterienkatalog zu schützen. [Quelle, DNR]

Quelle: Website DNR
Klage von Schweden
Brief der EU-ParlamentarierInnen
PAN Europe Pressemitteilung
Studie zu Kosten von EDC
HEAL Pressemitteilung