Klimastatusbericht

Die Grundwasserspiegel sind ein guter Gradmesser für steigende Temperaturen und sich verändernde Niederschlagsmuster. Nach dem letzten großen Hochwasser im September 2024 waren die Speicher, vor allem im Osten Österreichs, relativ gut gefüllt, erzählte Herbert Formayer, Professor für Meteorologie und Klimatologie an der Universität für Bodenkultur (BOKU) Wien. Doch 2025 war eines der zwanzig niederschlagsärmsten Jahre der letzten zwei Jahrhunderte und das achtwärmste seit Aufzeichnungsbeginn.

Wichtigste Wasserressource unter Druck

Weil das Jahr 2025 von großräumigen Naturkatastrophen weitgehend verschont blieb, rücken die Autor:innen des aktuellen Klimastatusberichts ein Thema in den Fokus, das ansonsten oft unsichtbar bleibt: das Grundwasser. Es ist Österreichs wichtigste natürliche Ressource. Im Schnitt nutzt jeder Haushalt täglich mehr als 230 Liter Trinkwasser. In der Industrie wird Wasser als Kühlmittel genutzt, in der Landwirtschaft für die Bewässerung der Felder. Trotz seiner Bedeutung gibt es in Österreich wenig Bewusstsein für den Wert von Wasser, sagte Formayer. Dabei gerät die Ressource Wasser aufgrund der Klimaerwärmung zunehmend unter Druck. Steigende Temperaturen führen zu einer höheren Verdunstung. Statt Schnee, der langsam in den Boden sickert, gibt es öfter Gewitter und Starkregen – Wasser, das schnell oberflächlich abrinnt und wenig zur Grundwasserneubildung beiträgt.

Sinkende Ressource, steigender Bedarf

Bis zum Jahr 2050 könnten die verfügbaren Grundwasserressourcen um mehr als 20 Prozent zurückgehen. Regional sind, in Vorarlberg und Kärnten beispielsweise, sogar stärkere Rückgänge von rund 30 Prozent möglich. Gleichzeitig steigt der Wasserbedarf um bis zu 15 Prozent.

Landwirtschaft, Pools und grüne Infrastruktur

„Vor rund 20 Jahren gab es nur im nördlichen Burgenland und im Osten Niederösterreichs landwirtschaftliche Bewässerungssysteme, inzwischen wird auch in Oberösterreich und Vorarlberg bewässert“, sagte Formayer. Der Wasserbedarf in der Landwirtschaft wird weiter steigen und könnte sich bis 2050 verdoppeln. Die Umstellung auf Kulturen, die weniger Wasser benötigen und Investitionen in wassersparende Tröpfchenbewässerung würden helfen, die Nachfrage zu drosseln. Auch die Anpassung an die Folgen des Klimawandels kann den Wasserverbrauch erhöhen, erklärte der Klimatologe. Bäume, Grünflächen und Fassadenbegrünung kühlen die Stadt, brauchen aber auch Wasser. Gleiches gilt für Pools, die zur Abkühlung in vielen Gärten errichtet wurden.

Vorbildhafte Wasserprojekte

Es gibt auch Beispiele, die zeigen, wie ein achtsamer Umgang mit Wasser aussehen kann: Im nördlichen Waldviertel wird Regenwasser gesammelt, um Trinkwasser zu sparen. In Kärnten haben Städte und Gemeinden ihre Transportleitungen vernetzt, um Wasserengpässe auszugleichen. Und im burgenländischen Seewinkel wurden provisorische Wehranlagen in Entwässerungsgräben errichtet, um das Wasser in der Region zu halten und den Grundwasserspiegel anzuheben.

Besseres Monitoring und mehr Forschung

„Um die Versorgungssicherheit langfristig zu gewährleisten, ist vorausschauendes Wassermanagement erforderlich“, sagte Formayer. Dafür müssen Grundwasserstände und -qualität überwacht und die Wasserentnahmen reguliert werden, besonders in Regionen mit hohen Nutzungsansprüchen an das Grundwasser. Zudem müssen die Wechselwirkungen zwischen Ökosystemen, Extremwetterereignissen und Gesellschaft besser erforscht werden, betonte der Forscher. „Wir sehen aber, dass bei der Klimafolgenforschung derzeit massiv gespart wird. Das ist ein großes Problem.“ Denn das Klima ändere sich rasch, und Österreich sei nicht ausreichend darauf vorbereitet.

2025: Achtwärmstes Jahr seit Messbeginn

Wie stark auch das vergangene Jahr vom langjährigen Schnitt abweicht, wird im diesjährigen Klimastatusbericht deutlich herausgearbeitet. 2025 war zwar kein Jahr der Extreme, aber dennoch ein sehr warmes und deutlich zu trockenes Jahr. Im Februar sorgte eine ausgeprägte Trockenheit für hohe Waldbrandgefahr, vor allem im Osten Österreichs. Der Sommer war von Hitze und starken Gewittern geprägt. Das Jahresende brachte erneut eine erhöhte Waldbrandgefahr, diesmal für Tirol. Und das aktuelle Jahr knüpft nahtlos an die Bilanz des vergangenen an: Trockenheit und hohe Waldbrandgefahr dominierten auch die letzten Monate. Ob sich die Grundwasserspiegel heuer erholen können, hänge stark vom Sommer ab, meinte Formayer. Dazu lasse sich derzeit keine verlässliche Prognose abgeben.

WWF fordert Biodiversitätsmilliarde

Die Naturschutzorganisation WWF fordert angesichts des Berichts und der sich verschärfenden Klimakrise einen konsequenten Ausbau naturbasierter Lösungen sowie eine deutlich stärkere Finanzierung von Natur- und Klimaschutzmaßnahmen. Der WWF fordert von der Regierung eine Biodiversitätsmilliarde, finanziert durch den Abbau umweltschädlicher Subventionen.

Jährlicher Bericht

Der Bericht wird alljährlich im Auftrag des Klima- und Energiefonds sowie aller neun Bundesländer durch das Climate Change Centre Austria (CCCA) in Zusammenarbeit mit der Universität für Bodenkultur und der GeoSphere Austria durchgeführt. Er will aufzeigen, welche Anpassungsmöglichkeiten und Handlungsoptionen zur Verfügung stehen, um negative Folgen in den am stärksten betroffenen Bereichen zu verhindern bzw. abzumildern. Ergänzt wird der Bericht um eine Studie vom Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) und der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), die die erheblichen wirtschaftlichen Risiken zunehmender Dürreperioden aufzeigt.

Klimaerwärmung belastet Grundwasserspiegel