Klimawandel erhöht Risiko für bewaffnete Konflikte

19. Feb 21

Die Co-Berichterstatter der Untersuchungsmission, der sozialdemokratische Abgeordnete Alain David und der liberal-zentristische Abgeordnete Frédéric Petit (MoDem), wiesen zwar darauf hin, dass es bisher auf internationaler Ebene keinen durch den Klimawandel verursachten bewaffneten Konflikt gegeben hat. Ihr Bericht zeigt allerdings deutlich, in welchem Ausmaß der Klimawandel - sowohl für die Menschen als auch für die Staaten - zu ernsthaften internationalen Spannungen führt.

Im Rahmen der Untersuchungsmission des französischen Parlaments am 27. Jänner warnten die Abgeordneten, dass diese Spannungen wahrscheinlich „in naher Zukunft“ zu bewaffneten Konflikten führen werden. „Es geht darum, diesen Konflikten zuvorzukommen, vor allem durch die entsprechende Vorbereitung unserer Armeen“, betonte der Vorsitzende des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten, der Abgeordnete Jean-Louis Bourlanges (MoDem). „Die französischen und europäischen Armeen hinken den Amerikanern weit hinterher, die bereits 1993 einen Verteidigungsstaatssekretär für Umweltsicherheit geschaffen haben“, kritisiert Boulanges. Demnach hätten sich Diplomat*innen und Streitkräfte nur langsam mit den Sicherheitsfolgen des Klimawandels befasst.

Wüstenbildung, Küstenhochwasser und aktuelle Klimastörungen hätten wie auch extreme Wetterereignisse - Hitzewellen, Wirbelstürme oder Überschwemmungen - in Zahl und Intensität signifikant zugenommen. Sie verursachen erhebliche menschliche und materielle Schäden, betonen die Autor*innen des Berichts. „Klimastörungen bedrohen die internationale Sicherheit. Sie werden von der großen Mehrheit der Forscher*innen und internationalen Akteure als Risikomultiplikator und Konflikttreiber angesehen“, erklärte der Abgeordnete Alain David.

„Sie erhöhen das Konfliktrisiko auf zwei Ebenen: indem sie die interne und in geringerem Maße die grenzüberschreitende Migration fördern, was zu Spannungen zwischen Gemeinschaften und Staaten führt, die, wenn sie zu bereits bestehenden Spannungen hinzukommen, zum Ausbruch von Konflikten beitragen. Auch der Klimawandel erhöht die Ressourcenknappheit“, fügte David hinzu. Der Zugang zu Wasser, Nahrung oder Rohstoffen wird durch diese Bevölkerungsverschiebungen und die Folgen des Klimawandels selbst erschwert. Insbesondere in der Sahelzone führt die Wüstenbildung zu wirtschaftlichen und sozialen Schwierigkeiten, und „in Bangladesch ist eine grenzüberschreitende Klimamigration nach Indien sehr wahrscheinlich. Die Spannungen zwischen den beiden Ländern sind bereits jetzt sehr hoch“, erklärt der Abgeordnete Frédéric Petit. Allein ein Anstieg des Meeresspiegels könnte nach Angaben des IPCC 280 Millionen Menschen aus ihrer Heimat vertreiben.

36 Empfehlungen an die Regierung

Die beiden Abgeordneten fordern unter den 36 Empfehlungen an die Regierung zunächst eine stärkere Mobilisierung der französischen und europäischen Diplomatie. Zu ihren Vorschlägen gehören auch die Intensivierung von Maßnahmen im Klimaschutz, die Anhebung der Ziele des Pariser Abkommens auf der Klimakonferenz COP26 sowie eine Reform der Klimafinanzierung. Außerdem soll die internationale Forschung und Zusammenarbeit zu diesem Thema gefördert werden, etwa durch den neuen UN-Klima- und Sicherheitsmechanismus oder eine neue Resolution des Sicherheitsrats.

Hinsichtlich der Migration hielten die beiden Abgeordneten es für unerlässlich, einen besser schützenden Rechtsrahmen für klimabedingte Vertriebene zu schaffen. Weiterhin forderten sie eine faire Aufteilung der natürlichen Ressourcen „mit allen verfügbaren diplomatischen Mitteln“. Darüber hinaus empfahlen die Berichterstatter, so schnell wie möglich eine hochrangige strategische Debatte über das Thema zu beginnen, um die Streitkräfte auf den Klimawandel vorzubereiten und sie entsprechend zu schulen.

2020: eines der drei wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen

Nach einer im Vorfeld des virtuellen Climate Adaption Summits präsentierten Studie von Germanwatch leidet der globale Süden tendenziell stärker unter Wetterextremen als der Norden. Doch auch Deutschland gehörte in den vergangenen zwanzig Jahren zu den zwanzig am massivsten betroffenen Ländern weltweit (wir berichteten).

Der Zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaänderungen (IPCC oder Weltklimarat) hatte bereits Ende 2019 bekannt gegeben, dass der Meeresspiegel bis zum Jahr 2100 um bis zu 1,10 Meter ansteigen könnte, wenn die Treibhausgasemissionen weiterhin so rasant zunehmen. Nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie war 2020 eines der drei wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen, wobei die 2010er Jahre das wärmste Jahrzehnt waren.

 

Euractiv