Landdiebstahl mit Schuld an Ernährungsproblemen in Entwicklungsländern
Landwirtschaft, Gentechnik & Tierschutz
Nicht nur Konzerne sondern auch Staaten sind am Landdiebstahl beteiligt.„Land grabbing“ - Landdiebstahl - ist kein neues Phänomen, aber das Problem hat in den letzten Jahren stark zugenommen.
Mit Landdiebstahl bezeichnet man entweder den Verkauf von Land oder langfristige Nutzungsverträge, die es ausländischen Regierungen oder privaten Konzernen erlauben, große Flächen an Ackerland zu bewirtschaften. Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse - oft Lebensmittel oder Biotreibstoffe - werden anschließend exportiert.
Die lokale Bevölkerung verliert bei solchen Deals das Recht und die Möglichkeit das Land selbst zu bewirtschaften und sich so zu ernähren. Auch der Zugriff auf Trinkwasser kann damit beschränkt werden. Dadurch trägt Landdiebstahl eine Mitschuld an der oft mangelhaften Versorgungssituation vieler Entwicklungsländer und trägt mit Schuld an der Entstehung von Hungersnöten in diesen Ländern.
Die österreichische Wissenschafterin Ute Reisinger recherchierte das Thema Landdiebstahl in der afrikanischen Sub-Sahara für ihre Diplomarbeit. Laut Reisinger erwarb zum Beispiel die chinesische Regierung von der Regierung im Kongo das Recht, drei Millionen Hektar Land 99 Jahre lang zu bewirtschaften. Geplant sei der Anbau von Palmenöl, das fast komplett für den Export nach China bestimmt ist. Es sei unklar, was mit der Bevölkerung passiert, die auf diesem Land lebt und es bewirtschaftet, schreibt Reisinger.
In den afrikanischen Ländern der Sub-Sahara seien laut Medienberichten bereits rund 60 Millionen Hektar Fläche durch Landdiebstahl verloren gegangen, eine Fläche so groß wie Frankreich, Deutschland und Italien. Jedes Jahr gehen weitere 30 Millionen Hektar landwirtschaftliche Fläche verloren.
Die Rechercheergebnisse von Ute Reisinger zum Thema Landdiebstahl stehen online auf der Webseite des Center for Economic and Social Rights (CESR) zur Verfügung (Quelle: Diplomarbeit: „Land Grabbing in Sub Saharan Africa - A Human Rights Framework to address State and Extraterritorial Obligations. The case of China in the D. R. of the Congo”, European Inter University Center, Venice, Italy; 2011).
CESR: Land grabbing and its implications for economic, social and cultural rights. (en)