Landesrechnungshof zeigt massiven Nachholbedarf bei Renaturierung
Das Land solle die Unterschutzstellung stärker forcieren und ein IT-Projekt aufsetzen, denn die vorliegenden Daten seien zu wenig strukturiert, so die Prüfer. Nicht alles davon kann das Land allein in Angriff nehmen, man solle aber in den länderübergreifenden Arbeitsgruppen Schnittstellenprobleme angehen, so die Zusammenfassung der am Dienstag präsentierten Empfehlungen. Dass von der Abteilung Naturschutz mittelfristig keine neuen nationalen Naturschutzgebiete geplant seien, sehen die Prüfer kritisch. Das Land solle „ökologisch wertvolle Flächen wieder aktiv unter Schutz stellen“, so LRH-Direktor Rudolf Hoscher. Allerdings flossen seit dem Vorjahr verstärkt Personalressourcen in die Umsetzung der Wiederherstellungsverordnung. „Es sollten daher die finanziellen und personellen Ressourcen auf die zukünftigen Bedarfe abgestimmt werden“, so die Empfehlung, heißt: Es brauche mehr Mittel – Nachsatz Hoschers: „Das empfehlen wir nicht oft.“ Bis 1. September soll Österreich der Europäischen Kommission einen Wiederherstellungsplan übermitteln – aber „eine fristgerechte Übermittlung des Plans in der geforderten Qualität ist derzeit eher unwahrscheinlich“, erwartet Hoscher. Unklar ist auch, wie hoch die Kosten für die Renaturierung sein werden, da diese erst nach Erstellung des Wiederherstellungsplans konkret abgeschätzt werden können. Die 4,1 Mio. Euro an Mitteln, die das Landesbudget 2025 für Europaschutzgebiete vorsieht, werden wohl nicht reichen.
Naturschutzorganisation WWF fordert mehr Budget, Personal und Tempo bei der Umsetzung der EU-Renaturierungsverordnung
WWF begrüßt die klaren Empfehlungen des Landesrechnungshofs Oberösterreich zur Umsetzung der EU-Renaturierungsverordnung und von weiteren Naturschutzfragen. „Der Bericht zeigt deutlich, dass es für wirksamen Naturschutz mehr Personal, ausreichende finanzielle Mittel und eine bessere Datengrundlage braucht. Das gilt nicht nur für Oberösterreich, sondern auch für alle weiteren Bundesländer“, sagt WWF-Experte Joschka Brangs in einer Reaktion auf den LRH-Bericht. „Die Biodiversitätskrise lässt sich nicht mit Minimalbudgets bewältigen. Gerade die jüngsten Trockenperioden und Wetterextreme zeigen, wie dringend wir intakte Flüsse, Moore, Auen und Wälder brauchen. Renaturierung ist daher eine Investition in Hochwasserschutz, Wasserspeicherung, Artenvielfalt und unsere Lebensgrundlagen“, sagt Brangs. Der WWF fordert alle Landesregierungen und den Bund auf, die EU-Renaturierungsverordnung ambitioniert umzusetzen. „Wer bei der Renaturierung spart, zahlt am Ende doppelt: durch höhere Schäden infolge der Klimakrise, den Verlust wertvoller Lebensräume und weitere Verfahren auf EU-Ebene. Jetzt braucht es daher den politischen Willen und verbindliche Investitionen in den Schutz und die Wiederherstellung unserer Natur“, sagt Joschka Brangs vom WWF.
WWF: Landesrechnungshof zeigt massiven Nachholbedarf bei Renaturierung