Legen Großhandelsketten künftig mehr Wert auf Umwelt- und Sozialstandards oder ist alles nur ein großer Bluff?
Verkehr & Luft & Industrie
Nach jahrelanger Kritik an laxen Umwelt- und Sozialstandards bereiten deutsche Händler grundlegende Veränderungen in ihrer Beschaffungspolitik vor.Berichte über unerträgliche Arbeitsbedingungen bei asiatischen Zulieferern zwangen Unternehmen wie Metro oder Lidl einzugestehen, dass sie ihre Lieferketten grundlegend ändern müssen. Die Unternehmen wollen wieder stärker in die Herstellung ihrer Produkte eingreifen und die Einhaltung von Standards künftig wieder selbst prüfen. Zusätzlich sollen wesentlich größere Teile der Lieferkette - bis zur Rohstoffproduktion - von einem neuen Kontrollsystem erfasst werden. Diskutiert wird die Anpassung an die von der Außenhandelsvereinigung des Deutschen Einzelhandels (AVE) initiierten Business Social Compliance Initiative (BSCI). Im BSCI-Standard sind zahlreiche Sozial- und Umweltstandards zusammengefasst, welche die Bedingungen bei Unternehmen der Zulieferkette verbessern sollen. Ziel müsse sein, engmaschiger zu kontrollieren und auch frühe Produktionsstufen miteinzubeziehen.
Bislang war die Beschaffung praktisch ausschließlich auf Kostenminimierung und Qualitätsmaximierung beim Endprodukt ausgerichtet. Die Verantwortung für die Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards wurde, sofern sie überhaupt stattfand, an externe Prüforganisationen übergeben. Das Auffliegen der unzureichenden Sozial- und Umweltstandards ist der intensiven Recherchearbeit von diversen Nichtregierungsorganisationen zu verdanken.