Lobbyisten machen Druck gegen EU-Kennzeichnungspflicht für Nano-Lebensmittel
Chemie & Nanotechnologie
Die Europäische Union plant eine Kennzeichnungspflicht für Nanostoffe in Lebensmitteln. Doch Lobbyisten der Nahrungsmittelindustrie versuchen laut Brüsseler Lobbykritikern die Regulierung so weit zu verwässern, dass sie praktisch unwirksam wird, informiert das „nano.magazin“. Damit seien sie jetzt zwar am Europaparlament gescheitert, doch das könnte sich noch als Erfolg erweisen, schreibt Journalist Christian J. Meier.In Brüssel „tobt eine Lobbyschlacht um dieses Labelling. Aktivisten der lobbykritischen Organisation Corporate Europe Observatory (CEO) stellen die Lebensmittelindustrie an den Pranger: sie versuche, die Kennzeichnungspflicht zu verwässern. Bei der EU-Kommission hatten die Lobbyisten offenbar Erfolg. Sie wollte die Definition, welche Stoffe überhaupt als "Nano" betrachtet und somit gekennzeichnet werden müssen, stark einengen.“
Beobachter wundern sich kaum über den großen Einfluss von Industrielobbyisten auf die EU-Kommission, schreibt Meier. „In den Expertengruppen, die die Kommission zu ihrer Beratung um die Regulierung der Nanotechnologie heranzieht, gibt es mehr Industrie-Experten als solche von gesellschaftlichen Organisationen wie dem European Environmental Bureau (EEB).“
Vollends von Industrievertretern dominiert sei eine Expertengruppe gewesen, die im Mai letzten Jahres über die Definition des Begriffs "Nanomaterial" in der neuen Regulierung zur Lebensmittelkennzeichnung beriet.
Das Ende vom Lied: die EU-Kommission, die die Kompetenz hat, die Definition zu präzisieren, schlug Ende 2013 die genannte Einengung vor.
Wie es nun weiter geht, sei unklar. „Ohne eine klare Definition von "Nano" jedenfalls dürfte die geplante Kennzeichnungspflicht ein Papiertiger werden. Die Lobbyisten könnten dann doch noch feiern.“